Bei der Westerngitarre sind die
Saiten aus Stahl und haben eine
wesentlich höhere Saitenspannung als
Nylonsaiten. Der Hals ist ähnlich
wie bei einer E-Gitarre meist schmal
und enthält – wie bei fast allen
Stahlsaitengitarren – häufig einen
spannbaren Stahlbogenkern, um die
Gegenspannkraft des Holzhalses
gegenüber dem Zug der Stahlsaiten zu
korrigieren. Eine Westerngitarre hat
in der Regel 6 Saiten (selten auch 7
oder 12).
Der Korpus ist meistens deutlich
größer als bei der klassischen
Gitarre. Das Griffbrett ist gewölbt.
Man unterscheidet verschiedene
Formen: Dreadnought, Jumbo, Grand
Auditorium, Auditorium und Parlour.
Die Decke besteht in aller Regel aus
Zeder- oder Fichtenholz. Für Zarge
und Boden können verschiedene Hölzer
eingesetzt werden (Amerikanisches
Nußbaumholz, Palisander, Mahagoni,
Zebrano, Padouk etc.). Es gibt
einige prominente amerikanische
Hersteller, wie Martin, Gibson oder
Taylor, die das Bild der
Westerngitarre geprägt haben und mit
ihrem Namen selbst für das
Instrument stehen. Eine "Martin" ist
eben eine Westerngitarre! Aber auch
andere Hersteller wie z.B. die
deutsche Firma Lakewood tragen
wesentlich zum Bild der heute
existierenden Stahlsaitengitarre
bei, weil sie Konvention mit Neuem
verbindet und so die Gitarre als
nunmehr altes Instrument den
Anforderungen unserer Zeit
zugänglich machen.
Im Gegensatz zur klassischen Gitarre
(Nylonsaiten) treten bei der
Folk-/Westerngitarre durch die
Verwendung von Stahlsaiten
wesentlich höhere Zugkräfte auf, die
durch ein veränderte Decken- und
Bodenverbalkung (Bracing)
stabilisiert werden. Hier findet das
sogenannte X-Bracing oft Anwendung.
Der Name resultiert aus der Form
zweier sich direkt unterhalb des
Schallochs kreuzenden
Stabilisierungsleisten. Um die
Ansprache des Instrumentes zu
verbessern, wird oft auch das "Scalloped
X-Bracing" verwendet. Hierbei werden
die Leisten der Gitarrendecke an
verschiedenen Stellen verjüngt um
bestimmte Resonanzen des
Instrumentes zu verstärken oder
abzuschwächen. Dieser
Bearbeitungsvorgang kann nur von
einem erfahrenen Gitarrenbauer
durchgeführt werden, da er für jede
Gitarre individuell durchgeführt
werden muss. "Scalloped Bracing" ist
daher vorwiegend bei qualitativ
hochwertigen Instrumenten zu finden.
Erfunden wurde dieses
Beleistungssystem von dem
Gitarrenbauer Christian Friedrich
Martin, der im 19. Jahrhundert in
die USA auswanderte, und dort die
"Martin Guitar Company" gründete.
Nach den von Martin entwickelten
Konstruktionsprinzipien werden bis
heute nahezu alle
Stahlseitengitarren gebaut.
Die Folk-/Westerngitarre hat einen
sehr hellen Klang, der durch das
Benutzen eines Plektrums (Plektron)
noch brillanter ist.
Im Folkbereich wird gelegentlich
eine 12-Saiten-Gitarre benutzt. Bei
dieser Gitarre liegt neben den vier
tiefsten Saiten (E, A, d und g) eine
zweite, dünnere Saite, die um eine
Oktave höher gestimmt ist; die
beiden Diskantsaiten (h und e') sind
doppelt vorhanden. Diese zusätzliche
Saiten ergeben einen volleren,
hellen harmonischen Klang, durch
leichte Verstimmung der Doppelsaiten
gegeneinander kann auch ein
Choruseffekt entstehen. Wegen der
Doppelbespannung erfordert die
12-Saiten-Gitarre deutlich mehr
Kraft in der Griffhand.
Heutzutage sind viele
Westerngitarren mit einem
Tonabnehmer (häufig ein im Steg
einbebauter Piezo-Tonabnehmer),
Vorverstärker mit Klangregelung und
einem Verstärkeranschluss
ausgerüstet.