Horst Keller mit Gitarre: Dein erster Legato-Lick, so beginnt flüssiges Solospiel
VIP-Guitar Legato-Livestream

Der erste Legato-Lick: Sechs Übungen für saubere Hammer-ons und Pull-offs

Der angeschlagene Ton ist klar, danach wird die Linie immer leiser? Diese sechs Übungen führen deine Greifhand von einer einzelnen Saite über die C-Dur-Lage bis zum Vierfinger-Stretch.

VideoLegato-Livestream
Dauer47:23 Minuten
FokusKlang, Timing, Lockerheit
Der komplette Livestream

Der erste Legato-Lick, den jeder Gitarrist lernen sollte

Beim Legato entscheidet zuerst, ob jeder Ton gleich laut, gleich lang und rhythmisch stabil klingt. Ich zeige dir die grundlegende Siebenton-Bewegung, übertrage sie auf andere Saiten und verbinde sie zu einem Lauf durch die C-Dur-Lage. Zum Schluss erweitern wir die Bewegung um chromatische Fingersätze und einen Vierfinger-Stretch für Fortgeschrittene.

Livestream direkt auf YouTube öffnen

Alle 26 Kapitel: direkt zur gewünschten Stelle
Der Qualitätskompass

Woran du gutes Legato erkennst

Ein Legato-Lauf ist nicht schon sauber, weil alle Bundzahlen stimmen. Höre auf vier Dinge:

LautstärkeDer Anschlag und die folgenden Legato-Töne sind annähernd gleich laut.
TonlängeKein Ton wird verschluckt oder unnötig verkürzt.
TimingDie Töne folgen in gleichmäßigen Abständen. Die Siebenerzelle ist eine Bewegungsgruppe, keine vorgeschriebene Septole.
EntspannungDaumen, Handfläche und Unterarm bleiben locker.

Wenn nur der erste Ton kräftig klingt, hilft meistens kein höheres Tempo. Verkleinere die Bewegung und prüfe, ob Hammer-on und Pull-off den Ton wirklich erzeugen.

Was du beim Üben wirklich hören willst

Genug Sustain, aber kein Echo als Versteck

Ich spiele die Bewegung im Livestream mit einem verzerrten, sustainreichen Solo-Sound. So muss die Greifhand den Ton nicht mit überflüssigem Druck erzwingen. Ein starkes Echo lässt dieselbe Übung schnell größer und gleichmäßiger wirken, als sie gespielt wurde. Beim technischen Kontrollgang bleibt das Delay deshalb aus.

Zum KontrollierenEin sustainreicher Solo-Sound, der einen klaren Ton mit wenig Kraft ermöglicht. Das Delay bleibt beim Üben aus.
Zum GegenhörenEine kurze Aufnahme, bei der du Lautstärke, Timing und Nebengeräusche getrennt beurteilst.
Zum Mitnehmen an die Gitarre

Dein Schüler-Lernheft als PDF

Alle sechs TAB-Beispiele aus dieser Lektion, die Erklärungen zur Technik und eine praktische Übeanleitung in einem Heft: mit Metronomtraining, Tages- und Sechswochenplan, Übeprotokoll und Abschlusscheck. Für A4-Ausdruck und Tablet.

Schüler-Lernheft herunterladen (PDF, 13 Seiten, ca. 1 MB)

Beginne mit Beispiel 1. Den Vierfinger-Stretch aus Beispiel 6 nimmst du erst hinzu, wenn die Grundbewegung ohne Spannung gelingt.

Vom Einzelbaustein zum Lauf

Die sechs Übungen in einer sinnvollen Reihenfolge

1. Hohe e-Saite: die Bewegung freilegen

10-8-7-8-10-8-7

Du beginnst mit einem Abschlag, danach folgen zwei Pull-offs, zwei Hammer-ons und zwei Pull-offs. Auf einer einzigen Saite hörst du sofort, ob Lautstärke und Abstand der Töne stabil bleiben.

Legato Beispiel 1 auf der hohen e-Saite mit der Bundfolge 10 8 7 8 10 8 7
Beispiel 1: Siebenerbewegung auf der hohen e-Saite.

2. H-Saite: dieselbe Aufgabe mit anderem Griffabstand

10-8-6-8-10-8-6

Die Bewegungslogik bleibt gleich. Weil der Abstand größer wird, zeigt diese Übung schnell, ob du mit Reichweite oder mit unnötigem Druck arbeitest.

Legato Beispiel 2 auf der H-Saite mit der Bundfolge 10 8 6 8 10 8 6
Beispiel 2: dieselbe Technik auf der H-Saite.

3. G-Saite: Klang und Dämpfung kontrollieren

9-7-5-7-9-7-5

Die tiefere Saite reagiert anders unter den Fingern. Halte die Siebenergruppe gleichmäßig und achte darauf, dass die H- und D-Saite nicht ungewollt mitschwingen.

Legato Beispiel 3 auf der G-Saite mit der Bundfolge 9 7 5 7 9 7 5
Beispiel 3: Klangkontrolle auf der G-Saite.

4. D-Saite: die Zelle in den mittleren Saiten festigen

9-7-5-7-9-7-5

Bundfolge und Technik entsprechen Beispiel 3, die Saite verändert jedoch Widerstand und Klang. Erst wenn beide Varianten gleich selbstverständlich klingen, lohnt sich der Schritt über das ganze Griffbrett.

Legato Beispiel 4 auf der D-Saite mit der Bundfolge 9 7 5 7 9 7 5
Beispiel 4: die Siebenerzelle auf der D-Saite.

5. C-Dur-Gesamtlage: aus der Zelle wird ein Lauf

Jetzt wandert die Siebenerbewegung durch alle sechs Saiten der C-Dur-Lage. Jede neue Saite beginnt mit einem Abschlag. Danach übernimmt wieder die Greifhand. Übe zunächst jeden Saitenblock einzeln, verbinde anschließend zwei benachbarte Saiten und spiele erst zuletzt den vollständigen Lauf.

Legato Beispiel 5 als vollständiger Lauf durch die C-Dur-Lage auf sechs Saiten
Beispiel 5: die Siebenerbewegung über alle sechs Saiten.

6. Vierfinger-Stretch: jeder Finger übernimmt Verantwortung

5-7-8-9-8-7-5

Auf der hohen e- und auf der H-Saite gilt dieselbe Bundfolge. Der Fingersatz ist 1-2-3-4-3-2-1, die Technik Abschlag-H-H-H-P-P-P. Hier arbeiten alle vier Finger. Der kleine Finger ist kein später Zusatz, sondern Teil der Grundbewegung. Dieser Stretch ist die fortgeschrittenste der sechs Übungen. Wenn es zwickt oder schmerzt, stoppst du sofort, lockerst die Hand und machst eine Pause.

Legato Beispiel 6 als Vierfinger-Stretch auf hoher e- und H-Saite mit der Bundfolge 5 7 8 9 8 7 5
Beispiel 6: Vierfinger-Stretch auf der hohen e- und der H-Saite.
Kontrolliert statt verkrampft

Ein Übeplan, der Fehler hörbar macht

  1. Plane sechs Wochen für diese Bewegungsform ein. Eine Woche Antesten reicht nicht, um daraus eine verlässliche Routine zu machen.
  2. Plane täglich etwa 20 bis 30 Minuten mit Pausen ein, soweit die Hand dabei locker und beschwerdefrei bleibt. Das ist kein Durchhaltezwang. Verteile die Zeit bei Bedarf auf kürzere Abschnitte und spiele mit Metronom.
  3. Spiele jedes Beispiel so langsam, dass du jeden Ton einzeln beurteilen kannst. Bricht ein Ton ein, reduzierst du zuerst das Tempo.
  4. Nimm zehn saubere Wiederholungen auf einer Saite auf. Höre die Aufnahme an, bevor du schneller wirst.
  5. Verbinde bei Beispiel 5 zunächst nur zwei Saiten. Kommt ein Nebengeräusch hinzu, geh zurück auf den einzelnen Saitenblock.
  6. Nimm Beispiel 6 erst dazu, wenn die vorherigen Bewegungen locker gelingen und du den Stretch ohne Druck greifen kannst. Stoppe bei Schmerz oder Spannung in Daumen, Unterarm oder Schulter.
  7. Wähle eine Zelle aus den Beispielen 1 bis 5 und baue daraus eine kurze Phrase in C-Dur oder A-Moll. Beispiel 6 ist eine chromatische Technikübung und gehört nicht vollständig zu diesen Tonleitern.

Der wichtigste Fortschritt ist nicht die höchste Metronomzahl. Es ist der Moment, in dem ein angeschlagener Ton und sechs Töne aus der Greifhand wie eine zusammenhängende Linie klingen.

Grundlagen vertiefen

Hammer-on und Pull-off genauer verstehen

Wenn eine Bewegung noch unklar ist, trenne sie wieder vom ganzen Lauf. Arbeite zuerst am Hammer-on, dann am Pull-off und verbinde beide erst, wenn die Einzeltöne kontrollierbar sind.

Nimm dir zuerst Beispiel 1 vor. Wenn sieben Töne gleichmäßig klingen und die Hand danach noch locker ist, hast du die richtige Grundlage für alle weiteren Übungen.

Ähnliche Beiträge