VIP-Guitar Gitarrentest | Ibanez j.custom
Ibanez RG8620AH im Test: Was kann diese High-End-RG wirklich?
10 von 10 für Verarbeitung, Bundarbeit und hohe Lagen. 5 von 10 für den Coil-Tap. Horsts Test zeigt eine kompromisslose Rockgitarre, die schnelles, präzises Spielen außergewöhnlich leicht macht und trotzdem klare Grenzen besitzt.
Der komplette Live-Test
Keine Vorschusslorbeeren für eine 3.100-Euro-Gitarre
Horst hatte die RG8620AH fast zwei Monate bei sich. Im Livestream prüft er das konkrete Exemplar nicht nur mit einigen Riffs, sondern bei offenen Akkorden, Flageoletts, Intonation, Dynamik, Lagenwechseln, Legato, Sweep Picking, Blues, Clean, Crunch und High Gain. Auch Setup, Balance, Tremolo und alle sechs Schaltmöglichkeiten müssen sich zeigen.
Der eigentliche High-End-Unterschied
3.100 Euro ergeben keinen dreifach besseren Ton
Der Mehrwert entsteht in vielen kleinen Stellen, die beim Spielen kaum einzeln auffallen. Rund polierte Bundkanten, ein seidig wirkender Hals, ein störungsfreier Übergang in die hohen Lagen, eine exakte Intonation und eine Balance, die 3,6 kg erstaunlich unauffällig macht. Zusammen entsteht ein Spielgefühl, bei dem musikalische Idee und tatsächlicher Ton ungewöhnlich direkt zusammenfinden.
Flach, breit und sehr schnell
Der asymmetrische Super-Wizard-AS-Hals misst laut Hersteller 17 mm am ersten und 19 mm am zwölften Bund. Horst erlebt ihn trotz seiner kleinen Hände als leichtgängig, besonders bei schnellen Lagenwechseln, Legato und Arpeggios.
Bundarbeit ohne Fundstelle
Horst sucht sichtbar nach einer Schwäche und findet an den 24 Jumbo-Bünden nichts. Die Kanten sind rund poliert, das konkrete Setup ist niedrig, schnarrfrei und direkt aus dem Koffer einsatzbereit.
3,6 kg, sauber ausbalanciert
Das Gewicht liegt für Horst bereits an seiner persönlichen Obergrenze. Durch die Balance fällt es im Sitzen und am Gurt deutlich weniger auf, als die Zahl vermuten lässt.
„Der stärkste Punkt dieser Gitarre ist die Verarbeitung, die Bespielbarkeit und die Rock-Sounds.“
Konstruktion und Ausstattung
Was in der RG8620AH tatsächlich steckt
Die Herstellerdaten erklären, was gebaut wurde. Ob daraus ein überzeugendes Instrument entsteht, beantwortet erst der Praxistest. Deshalb bleiben Ausstattung und Urteil sauber getrennt.
Klang und musikalischer Einsatz
Im Rock zu Hause, außerhalb davon nicht hilflos
Die RG8620AH ist im Test eindeutig eine moderne Rock- und Sologitarre. Der Tone Zone liefert die fette Mitte und die Kontrolle für JCM800, 5150, Revv Generator und Bogner Ecstasy. Der PAF Pro bleibt am Hals offen genug für singende Leads, Blues und klare Akkorde.
Modern, klar, bandtauglich
Die Clean-Sounds wirken nicht steril, sind aber weniger dynamisch als spezialisierte Vintage-Pickups. Horst bewertet diesen Bereich mit 7 von 10.
Trennung mit kräftiger Mitte
Komplexere Akkorde bleiben nachvollziehbar. Für Crunch und Akkordtrennung gibt Horst 8 von 10.
Hier wird die RG zur Ansage
Schnelle Einzeltöne, Legato, Palm Mutes, Tapping und Leads bleiben kontrolliert. Horsts Wertung: 9,5 von 10.
Der gesplittete Hals-Pickup liefert im Blues-Test einen brauchbaren eigenen Charakter. Der Coil-Tap als Gesamtfunktion überzeugt Horst trotzdem nur zur Hälfte. Meist bevorzugt er die vollen Humbucker und regelt die Lautstärke zurück. Bei einzelnen modernen Clean-Sounds schafft der Split jedoch genau den nötigen Platz.
Lo-Pro Edge
Legendär stimmstabil, sobald die Arbeit erledigt ist
Das Lo-Pro Edge liegt flach in der Decke, behindert die rechte Hand kaum und hält die Stimmung im Test sehr gut. Genau dieses frei schwebende System ist zugleich die größte praktische Einschränkung. Nach einem Saitenwechsel beeinflusst jede gestimmte Saite die Spannung der anderen. Das verlangt mehrere Durchgänge, Geduld und ein Grundverständnis des Systems.
Horsts nüchterne Einordnung
Wenn die Saiten gesetzt, der Sattel geklemmt und die Feinstimmer mittig vorbereitet sind, arbeitet das System zuverlässig. Wer häufig spontan umstimmt oder beim Saitenwechsel keine Geduld mitbringt, sollte diesen Punkt vor dem Kauf realistisch prüfen.
Horsts Punkte-Fazit
Überragend in der Hand, differenzierter beim Klang
Die Punktwerte beziehen sich auf das konkrete Instrument im Livestream. Sie sind besonders aussagekräftig, weil Horst auch dort abwertet, wo eine lange Ausstattungsliste leicht zu Vorschusslob verführen könnte.
Für wen ist diese Gitarre gedacht?
Horsts Kaufempfehlung in drei klaren Sätzen
Wenn du Ibanez im High-End-Rockbereich verstehen willst
Ein kurzer Blick auf die Ausstattung reicht nicht. Nimm eine solche RG länger in die Hand und prüfe, wie viel leichter sich deine eigene Spielweise anfühlt.
Wenn du eine klar vintage-orientierte Gitarre suchst
Hals, Ansprache, Tremolo und Klangästhetik sind modern. Wer traditionelle Bauweisen, ein kräftigeres Halsgefühl und eine klar vintage-orientierte Klangästhetik sucht, findet hier nicht sein Instrument.
Du eine kompromisslose Solo-Rockgitarre willst
Die RG8620AH passt zu Spielern, die technische Perfektion, schnelle hohe Lagen, fette Rock-Sounds und maximale Kontrolle höher gewichten als Vintage-Charakter.
Kapitel im Video
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Die j.custom zeigt die Oberkante der RG-Idee. Diese drei Tests helfen, Preis, Bauart und Einsatzbereich mit anderen Ibanez-Konzepten zu vergleichen.
Vom Test ins eigene Spielen
Die Gitarre liefert Möglichkeiten. Zum Leben erweckst du sie.
Horst beendet den Test mit einem wichtigen Gegengewicht zur ganzen High-End-Diskussion: Equipment kann helfen, gut zu klingen. Seele, Energie und musikalische Idee kommen aus dem Spieler. Eine perfekte Gitarre ersetzt diesen Teil nicht. Sie kann dir nur helfen, ihn präziser und unmittelbarer umzusetzen.
Welche Wertung überrascht dich mehr: 10 von 10 für Hals und Bundarbeit oder 5 von 10 für den Coil-Tap? Schreib deine Einschätzung direkt unter das Video.



