VIP-GUITAR Newsletter WO.16/2026
Liebe Gitarrenfreunde, liebe VIP-Guitar Community,
je länger ich Gitarre spiele, desto klarer wird mir: Die meisten Gitarristen scheitern nicht an fehlendem Willen.
Sie scheitern viel öfter daran, dass sie sich verzetteln.
Ein bisschen hiervon.
Ein bisschen davon.
Noch ein Video. Noch eine Übung. Noch ein neues Versprechen.
Und irgendwann merkt man, dass man zwar dauernd beschäftigt ist, aber nicht wirklich weiterkommt. Das ist frustrierend. Vor allem dann, wenn man es ehrlich meint und sich wirklich Mühe gibt.
Genau deshalb geht es heute um etwas, das mir persönlich immer wichtiger geworden ist: nicht mehr machen, sondern das Richtige.
In meinem nächsten Livevideo über Eric Clapton wirst du sehen, warum große Wirkung auf der Gitarre so oft aus Ruhe, Kontrolle und guter Phrasierung entsteht und eben nicht aus nervösem Notenfeuerwerk. Clapton ist für mich der Spieler, bei dem man das besonders gut erkennen kann.
Dazu passt auch mein klassischer Beitrag über das Geheimnis einer guten Technik. Denn gute Technik ist nicht Härte. Sie ist auch nicht Anstrengung um der Anstrengung willen. Gute Technik bedeutet, unnötige Bewegung wegzulassen, ruhiger zu werden und dem Körper endlich nicht mehr im Weg zu stehen.
Wenn dich die Frage interessiert, wie ein Gitarrist zu einer echten Persönlichkeit wird, dann schau dir auch mein PDF über Mark Knopfler, den Gitarren-Gentleman an. Knopfler erinnert mich immer wieder daran, dass Stil und wahres Können nichts mit Show zu tun hat. Stil ist Reife. Geschmack. Ton. Weglassen. Genau das, was heute vielen fehlt.
Für alle, die gerade an ihrem Sound arbeiten, sind außerdem neue Helix Stadium Presets online.
Und wenn du beim Workshop „Spielen wie Jimi, das Hendrix-Prinzip“ spontan denkst, das sei vielleicht eine Nummer zu groß für dich, dann bist du damit nicht allein. Diese Reaktion höre ich oft. Und fast immer stellt sich heraus, dass sie unnötig war. Es geht dort nicht darum, Hendrix zu kopieren oder dich zu überfordern. Es geht darum, Dinge zu verstehen, die dein Spiel sofort musikalischer, voller und lebendiger machen. Und genau dafür ist dieser Workshop gedacht. In zwei Wochen geht’s los. Du kannst noch dabei sein!
Mich würde heute wirklich interessieren: An welcher Stelle hast du im Moment das Gefühl, dass du auf der Gitarre festhängst? Schreib mir gern. Ich lese das nicht nur, ich nehme es auch ernst. Und oft entsteht aus genau so einer Rückmeldung schon das Thema für das nächste Video, den nächsten Newsletter oder den nächsten entscheidenden Gedanken.
Keep on playing und halte die Gitarre am Leben!
Euer Horst
Nächstes Livevideo: Donnerstag, 16.04. um 17:00 Uhr: Eric Clapton: Die besten Solo Licks & Phrasierungen (Teil 2)

In diesem Livevideo zeige ich dir Eric Clapton Lick Nr. 2 – ein ausdrucksstarkes Blues-Lick im langsamen 12/8-Feel mit typischer Clapton-Phrasierung, kontrollierten Bendings, Slides und genau der ruhigen Spannung, die gute Blues-Licks erst interessant macht.
Wir bewegen uns hier nicht in einem Bereich, der musikalisch sehr wichtig ist: Tonformung, Timing, Vibrato, Zieltongefühl und saubere Phrasierung. Genau das ist einer der Gründe, warum Clapton mit vergleichsweise wenigen Noten oft mehr sagt als andere mit doppelt so vielen.
Im Video zeige ich dir das Lick Schritt für Schritt, damit du nicht nur die Töne nachspielst, sondern auch verstehst, warum es funktioniert und wie du es in dein eigenes Blues-Spiel übernehmen kannst. Wenn du dein Blues-Spiel musikalischer, reifer und gesanglicher machen willst, ist dieses Lick ein sehr guter Baustein.
Klassikvideo der Woche: Das Geheimnis einer guten Technik: Ökonomie der Bewegung

Die wichtigste Technik, die praktisch jede Technik besser und leichter auszuführen macht und es dir gleichzeitig ermöglicht, schneller an Geschwindigkeit zuzulegen, ist die Sparsamkeit der Bewegung. Sieh dir deine beiden Hände genau an und finde heraus, wo du die Bewegungen auf ein absolutes Minimum reduzieren kannst. Du willst zum Beispiel nicht, dass die Finger deiner Greifhand überall auf dem Griffbrett herumhüpfen.
Du willst sie so nah wie möglich an den Saiten halten, damit sie weniger Energie verbrauchen und schneller dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Das gilt auch für deine Picking-Hand. Du solltest versuchen, sie so wenig wie möglich vom Griffbrett weg und beim Saitenwechsel zu bewegen. Guthrie Govan beherrscht diese Kunst ebenso wie die meisten technisch versierten Spieler.
Wie das aussieht und welche Übungen am besten hierzu geeignet sind, schauen wir uns in diesem Video ganz genau an.
Für weiteren Input: https://soundcloud.com/horstkeller
🎸 15. August 2026 – Save the Date: 7. VIP-Guitar Treffen
Das legendäre VIP-Guitar Treffen geht in die siebte Runde! Musik, Jam-Sessions, gute Gespräche und die einzigartige Atmosphäre, die dieses Event jedes Jahr zu einem Höhepunkt machen.
Den Termin solltest du dir jetzt schon freihalten! Anmeldungen direkt bei Jörg Noll: joergnoll@web.de
Mark Knopfler – der Gitarren Gentleman
Er war Englischlehrer in Essex, Lokaljournalist in Yorkshire und mit fast dreißig Jahren ohne Plattenvertrag. Er gründete eine Band mit seinem Bruder, einem Sozialarbeiter und einem Session-Drummer in einer feuchten Wohnung in Süd-London. Sie nannten sich Dire Straits, weil sie pleite waren. Sechs Monate später stand „Sultans of Swing“ auf Platz vier der amerikanischen Charts – gespielt mit nackten Fingern auf einer roten Stratocaster, mitten in einer Zeit, in der jeder Gitarrist mit Plektrum auf Marshall-Türme einschlug.
Mark Knopfler machte alles anders – mit einer Selbstverständlichkeit, die keinen Zweifel zuließ: eine Strat, ein kleiner Combo, keine Effektpedale, keine Show. Nur Finger, Holz und Geschichten. Über dreißig Millionen verkaufte Exemplare von „Brothers in Arms“. Das erste Album, von dem mehr als eine Million Stück auf CD verkauft wurden. Rock and Roll Hall of Fame 2018. Und Chet Atkins, sein Kindheitsidol, sagte über ihn: „Er ist einer der wenigen Leute, die einen Ton spielen können, den man sofort wiedererkennt.“
🎸 Die fünf Prinzipien von Mark Knopfler
1. Daumen statt Plektrum
Das Geheimnis seiner Stimme. Daumen für die Bässe, Zeige-, Mittel- und Ringfinger für die hohen Saiten. Nackte Fingerkuppen auf Stahlsaiten – jeder Ton wird weich, rund, organisch. Und plötzlich kannst du Bass, Akkord und Melodie gleichzeitig spielen, weil deine Finger unabhängig voneinander arbeiten. Eine ganze Band in einem Mann.
2. Die einzelne Note – mehr Wahrheit als zehn schnelle
Lektion aus „Brothers in Arms“. Das berühmte Solo besteht aus etwa einem Dutzend Noten bei 60 BPM. Technisch einfach – musikalisch das Schwerste, was es gibt. Jeder Ton muss atmen, jedes Vibrato muss ehrlich sein. Übe das Hauptthema im neunten Bund auf der H- und hohen E-Saite. Sing die Phrase laut mit, bevor du sie spielst.
3. Die Pause als Instrument
Was „Private Investigations“ lehrt. Drei Akkorde: Am, Dm, E. Einfach. Schwer sind die Pausen dazwischen. Knopfler lässt die Stille atmen, manchmal sekundenlang. Spiele drei Akkorde mit Metronom bei 90 BPM und lass nach jedem Akkord zwei volle Takte Stille. Halte die Stille aus, ohne nervös zu werden. Wer das lernt, lernt das Wichtigste.
4. Travis-Picking auf der Stratocaster
Das Wunder von „Romeo and Juliet“. Open-G-Stimmung (D-G-D-G-H-D), Daumen schlägt die tiefe D-Saite auf jeder Zählzeit, die Finger zupfen die hohen Saiten im rollenden Arpeggio. Anfangs fühlt es sich an, als müsse das Gehirn in zwei Hälften geteilt werden. Nach zwei Wochen läuft es von allein – und du verstehst zum ersten Mal, was Mehrstimmigkeit auf einer einzigen Gitarre wirklich bedeutet.
5. Keine Tricks, keine Posen
Die Sprache der Reduktion. Dreißig Jahre lang dieselben drei oder vier Gitarrentypen. Kein Stilwechsel, kein Trend-Hopping. Auf der Bühne ein blaues Hemd und ein Stirnband. Nur er, die Band, die Songs. Setz dich einen Übungsabend mit nur einer Gitarre, cleanem Sound, ohne Pedale und mit zehn Noten hin – und versuche, daraus eine echte musikalische Aussage zu formen.
💡 Essenz für dein Spiel
Originalität entsteht nicht aus der Masse der Töne, sondern aus der Klarheit der Absicht. Leg das Plektrum weg und lerne deine Finger kennen. Spiele jede Note, als wäre sie die wichtigste deines Lebens. Such nicht nach mehr Skalen – such nach deinem eigenen Ton. Und vergiss nie: Der schwerste Ton auf der Gitarre ist immer der, den du nicht spielst.
P.S. Wenn mich jemand fragt, welcher Gitarrist mir am häufigsten gezeigt hat, dass weniger mehr ist, dann ist es Mark Knopfler. Weil er einer der wenigen ist, die jeden Abend genau das spielen, was der Song braucht – keine Note mehr, keine Note weniger.
P.P.S. Den Text von „Money for Nothing“ hat Knopfler wortwörtlich in einem New Yorker Elektroladen mitgeschrieben. Er belauschte zwei Möbelträger, die auf einem Stapel Fernseher MTV schauten und sich darüber lustig machten, dass Rockstars für „Nichtstun“ Millionen verdienen. Knopfler bat um Stift und Papier und schrieb die Sätze genau so mit, wie sie herauskamen. Er hat in der MTV-Maschinerie einen Welthit über die Verachtung der MTV-Maschinerie geschrieben – mit fremden Worten, die er nur gehört hat.
🎬 Unbedingt anschauen
| Titel | Warum anschauen? |
|---|---|
| Sultans of Swing (Live at Alchemy, 1983) | Du siehst die Finger der rechten Hand ganz genau |
| Money for Nothing (Live Aid, Wembley 1985) | Mit Sting als Gast vor 1,9 Milliarden Zuschauern |
| Brothers in Arms (Live at Wembley, 1985) | Das traurigste Solo der Rockgeschichte in voller Länge |
| Romeo and Juliet (Live in Basel, 1992) | Die National Resonator – Daumen-Finger-Wechselspiel zum Mitlernen |
| Local Hero / Going Home (Berlin, 2007) | Seit 1994 die Einlaufmusik von Newcastle United |
| Neck and Neck mit Chet Atkins (1990) | Schüler trifft Meister, beide auf Augenhöhe |
👉 Den vollständigen Profil-Artikel mit allen Anekdoten, der kompletten Gear-Geschichte, ausführlichen Spieltipps zu zehn Knopfler-Klassikern und einem Vier-Wochen-Übungsprogramm zum Daumen-Anschlag findet ihr hier.
NEU! 04.2026 – Helix Stadium Presets – VIP-Guitar Edition 2

Das sind keine Experimente, sondern getestete, praxisnahe Arbeits-Sounds: inspirierend, dynamisch und mixtauglich. Von Hendrix über AC/DC bis Prince – jedes Preset fängt die Essenz des Originals ein, optimiert mit der neuesten Agoura-Technologie. Laden, spielen, klingen – genau dafür ist dieses Set gemacht.
Die besten Plektren: VIP-Guitar Plektren
Aktueller Kurs: Chord Knowledge – Sebastian Minet
Wenn du bereit bist, tiefer in die Harmonik einzutauchen, das Akkordspiel zu verstehen und auf ein neues Level zu heben – dann findest du hier genau das, was du benötigst.
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Ich wünsche dir, dass du jeden Tag ein klein bisschen #besser wirst.

Viel Freude mit der Gitarre
Horst Keller
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P. S.: Nutze die Gelegenheit und schreibe mir. Sende mir deine Fragen, Wünsche, Ideen, Anregungen hier.
Die Workshops 2026:
02./03. Mai 2026 – „Spiele wie Jimi – Das Hendrix-Prinzip“
04./05. Juli 2026 – Gitarrencamp 2026: Dein Wochenende für echten Fortschritt
12./13. September 2026 – Rock-Klassiker Live: Lerne sie, spiele sie mit Band
Onlineshop:
NEU: 04.26 – Line 6 Helix Stadium – VIP-Guitar Edition 2
NEU: 02.26 – Line 6 Helix Stadium – VIP-Guitar Edition 1
NEU: 12.25 – Chord Knowledge – Sebastian Minet
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