VIP-GUITAR Newsletter WO.17/2026

Liebe Gitarrenfreunde, liebe VIP-Guitar-Community,

warum kommen manche Gitarristen über Jahre nicht wirklich voran, obwohl sie ständig üben, Videos anschauen, Licks sammeln und sich ehrlich Mühe geben?

Nicht weil sie zu wenig wollen. Nicht weil sie unbegabt wären. Sondern weil sie an der falschen Stelle ansetzen.

Viele versuchen, ihr Spiel über mehr Material zu verbessern. Noch ein Lick. Noch ein Video. Noch eine Skala. Noch ein Trick. Aber Fortschritt entsteht nicht dort, wo du immer mehr anhäufst. Fortschritt entsteht dort, wo dein Spiel klarerrhythmischerausdrucksstärker und persönlicher wird.

Genau darum lohnt sich dieser Newsletter für dich.

Am Donnerstag zeige ich dir im nächsten Livevideo einen weiteren starken Eric-Clapton-Lick aus Further Up On The Road. Und genau an solchen Phrasen kannst du sehen, was gutes Solospiel wirklich ausmacht: nicht Notenmenge, sondern Zielnoten, Timing, Druck, Klang, Pausen und Richtung. Clapton spielt oft nicht viel, aber das, was er spielt, hat Gewicht. Wenn du musikalischer improvisieren willst, dann liegt genau dort der Hebel.

Dazu passt das Klassikvideo der Woche perfekt: zehn Grundlagen für einen erfolgreichen Start an der Rhythmusgitarre. Vielleicht klingt das zunächst nach Basisarbeit. In Wahrheit geht es um deutlich mehr. Wenn dein Rhythmus nicht trägt, dein Groove nicht lebt und deine Anschlagshand keine Sicherheit hat, dann bleibt vieles in deinem Spiel Stückwerk. Gute Phrasierung beginnt nicht erst im Solo. Sie beginnt viel früher, nämlich dort, wo dein Timing stabil wird und dein Gefühl für Puls, Betonung und Bewegung reift.

Und dann ist da noch Tony Iommi. Seine Geschichte ist weit mehr als eine Rock-Anekdote. Sie ist eine Lektion für jeden, der glaubt, dass ihm etwas fehlt, um wirklich seinen Ton zu finden. Iommi verlor mit siebzehn an seiner Greifhand die Fingerkuppen von Mittel- und Ringfinger. Die Ärzte sagten: Gitarre vergessen. Er machte das Gegenteil. Er baute sich aus einer Fairy-Liquid-Flasche und einem Stück Leder eigene Fingerprothesen, stimmte die Gitarre tiefer, reduzierte sein Spiel auf das Wesentliche und schuf damit unfreiwillig die Sprache des Heavy Metal. Das Entscheidende daran ist nicht nur die Härte dieser Geschichte. Das Entscheidende ist die Botschaft: Stil entsteht oft dort, wo du aufhörst, gegen deine Begrenzung zu kämpfen, und beginnst, aus ihr etwas Eigenes zu machen.

Vielleicht ist genau das auch für dein Spiel gerade der richtige Gedanke.

Du brauchst nicht zuerst noch mehr Material.
Du brauchst mehr Substanz in dem, was du schon spielst.
Mehr Rhythmusgrundlagen. Mehr Aussage. Mehr Vertrauen in einfache Dinge, die wirklich sitzen.
Und vielleicht auch den Mut, nicht perfekt klingen zu wollen, sondern echt.

Denn genau dann beginnt Musik interessant zu werden. Wenn du magst, antworte mir gern auf diese Mail. Mich würde interessieren: Woran arbeitest du gerade auf der Gitarre und wo hakt es im Moment am meisten?

Halte die Gitarre am Leben!
Euer Horst


Nächstes Livevideo: Donnerstag, 23.04. um 17:00 Uhr: Eric Clapton: Die besten Solo Licks & Phrasierungen (Teil 3)

In diesem dritten Eric-Clapton-Lick zeige ich dir eine typische Phrase aus „Further Up On The Road“ vom Live-Album EC Was Here. Genau hier hörst du sehr gut, was Clapton so besonders macht: kein Notenfeuerwerk, sondern starke Zielnoten, ein kontrollierter Blues-Ausdruck und diese Mischung aus Gesanglichkeit, Timing und Druck. Das Lick lebt von der Shuffle-/Triolen-Phrasierung, von kleinen melodischen Wegen statt bloßer Skalenmechanik und von dem Wechsel zwischen direkter Aussage und kurzem Nachdruck. Wenn du Clapton wirklich verstehen willst, musst du genau solche Linien spielen lernen, denn darin steckt sein Stil oft deutlicher als in langen Soli.


Klassikvideo der Woche:  Zehn Grundlagen für einen erfolgreichen Start an der Rhythmusgitarre

  1. Grundakkorde lernen
    Beherrsche die wichtigsten Akkorde (z. B. E, A, D, G, C), um eine solide Basis zu schaffen.
  2. Wechselbass üben
    Trainiere, den Basston zu wechseln, bevor du den Akkord spielst. So bringst du Abwechslung in deine Begleitung.
  3. Powerchords auf Tempo bringen
    Erhöhe nach und nach dein Spieltempo, damit deine Powerchords kraftvoll und sauber klingen.
  4. Barré-Akkorde abdämpfen lernen
    Achte auf eine saubere Fingerhaltung und übe gezielt das Dämpfen der Saiten, um unerwünschte Resonanzen zu vermeiden.
  5. ¾-Takt-Übung
    Viele Songs sind im ¾-Takt geschrieben. Mache dich mit diesem Rhythmus vertraut, um dein Repertoire zu erweitern.
  6. Boogie-Woogie / Rock ’n’ Roll Shuffle trainieren
    Lerne die typischen Shuffle-Rhythmen, die in Blues, Rock ’n’ Roll und Boogie-Woogie unverzichtbar sind.
  7. Feeling, Rhythmus und Groove (straight oder Swing)
    Experimentiere mit verschiedenen Grooves, um dein Gefühl für Timing und Ausdruck zu verbessern.
  8. Rhythmus in der Musik abdämpfen
    Imitiere das Schlagzeug, indem du Saiten abdämpfst und so perkussive Effekte erzeugst.
  9. Rhythmus verstehen
    Nimm dir die Angst davor, dass es „nicht funktioniert“. Mach dir bewusst, dass Rhythmus Freude machen soll und du dich nicht damit plagen musst.
  10. Uralte Erfolgs- und Lebensprinzipien
    Erinnere dich daran, dass Geduld, stetiges Üben und Spaß an der Sache zu deinen wichtigsten Begleitern werden.

Für weiteren Input: https://soundcloud.com/horstkeller


🎸 15. August 2026 – Save the Date: 7. VIP-Guitar Treffen

Das legendäre VIP-Guitar Treffen geht in die siebte Runde! Musik, Jam-Sessions, gute Gespräche und die einzigartige Atmosphäre, die dieses Event jedes Jahr zu einem Höhepunkt machen. Den Termin solltest du dir jetzt schon freihalten! Anmeldungen direkt bei Jörg Noll: joergnoll@web.de  


Tony Iommi – der Mann, der den Heavy Metal erfand.

Er war siebzehn Jahre alt, Schweißer in einer Birminghamer Blechfabrik, und es war sein letzter Arbeitstag. Am nächsten Morgen sollte die erste Tournee beginnen. Seine Mutter bestand darauf, dass er die Schicht zu Ende bringt. Am Nachmittag wurde er an eine guillotinenartige Metallpresse versetzt. Die Maschine schlug zu, er riss reflexhaft die Hand zurück – und verlor die Kuppen von Mittel- und Ringfinger seiner rechten Hand. Als Linkshänder war das die Greifhand. Die Ärzte sagten: Gitarre vergessen, such dir einen anderen Beruf.

Anthony Frank Iommi, geboren am 19. Februar 1948 in Birmingham als einziges Kind italienischer Einwanderer, hat stattdessen aus einer alten Fairy-Liquid-Spülmittelflasche und einem Stück Leder von der eigenen Jacke zwei Fingerprothesen gebaut, seine Gitarre tiefer gestimmt, weil er die Saiten sonst nicht durchdrücken konnte, und dabei ganz unabsichtlich ein neues Genre erfunden. Über 75 Millionen verkaufte Black-Sabbath-Alben. Rock and Roll Hall of Fame 2006. Zwei Grammys. Eddie Van Halen sagte: „Ohne Tony gäbe es keinen Heavy Metal. Er ist der Erfinder des Heavy (Schweren).“


🎸 Die fünf Prinzipien von Tony Iommi

1. Einschränkung als Geburt des eigenen Stils

Was der Unfall wirklich lehrte. Iommi hat seinen Unfall nicht überwunden – er hat ihn in einen Stil verwandelt. Das ist ein Unterschied. Jede körperliche Einschränkung, jede vermeintliche Schwäche an deiner Gitarre kann zum Ausgangspunkt deines eigenen Stils werden. Originalität entsteht nicht aus Perfektion. Sie entsteht aus der Klarheit, mit der du zu deinen Grenzen stehst.

2. Power Chord statt Akkord-Akrobatik

Die Grammatik des Heavy Metal. Weil Iommi mit den Prothesen keine feingliedrigen Griffe mehr spielen konnte, reduzierte er auf zwei Finger, zwei Saiten, maximale Wucht. Grundton plus Quinte. Eine archaische Harmonik, die heute die Grundsprache jedes Metallica-, Slayer- und Pantera-Songs ist. Die Reduktion war keine Schwäche – sie war die Erfindung einer neuen Sprache.

3. Tiefer stimmen, dunkler werden

Warum Heavy Metal schwer klingt. Standard-Saiten ließen sich mit den Prothesen nicht präzise benden. Also stimmte Iommi ab Master of Reality (1971) auf C# Standard – drei Halbtöne unter E. Der Klang wurde dunkler, bedrohlicher, kriechender. Was als Notlösung begann, ist heute Metal-Standard von Metallica bis Meshuggah.

4. Der Tritonus als Stilmittel

Mut zum „verbotenen Intervall“. Das Eröffnungs-Riff von „Black Sabbath“ besteht aus drei Tönen: G, oktaviertes G, Db (verminderte Quinte). Der Tritonus dazwischen hieß im Mittelalter „Diabolus in Musica“ – das Teufelsintervall, jahrhundertelang verpönt. Iommi machte es zum Fundament eines Rocksongs. Wer anders klingen will, muss sich trauen, das zu spielen, was andere weglassen.

5. Riff statt Solo – Ökonomie der Aussage

Warum Iommi keine Shred-Duelle benötigt. Ein Iommi-Riff ist keine Etüde, keine Demonstration technischer Finesse. Es ist eine musikalische Aussage in zwei oder drei Akkorden. „Iron Man“, „Paranoid“, „Children of the Grave“ – alle bauen auf wenigen, extrem prägnanten Motiven auf. Lerne einen Riff, bis er sitzt wie ein Faustschlag. Das ist oft mehr wert als zehn schnelle Soli.


💡 Essenz für dein Spiel

Tony Iommi hat bewiesen, dass eine körperliche Katastrophe zur Geburt eines ganzen Genres werden kann. Er brauchte keine zehn Finger, keine komplexen Harmonien, keine Effektwüste. Zwei verkürzte Finger, eine Gibson SG, einen Laney-Amp – und den Mut, das Falsche zum Richtigen zu machen. Such nicht nach mehr Technik. Such nach dem, was an deiner Spielweise nur dir gehört. Einschränkung ist nicht das Ende deines Stils – sie ist der Anfang davon.


P.S. Wenn mich jemand fragt, welcher Gitarrist mir am deutlichsten gezeigt hat, dass eine Katastrophe zum Geschenk werden kann, dann ist es Tony Iommi – weil Iommi der einzige Gitarrist der Rockgeschichte ist, der aus einer Amputation ein ganzes Musikgenre gemacht hat. Das ist keine Metapher. Das ist Handwerk. Eine Fairy-Liquid-Flasche, ein Stück Leder, ein Tritonus – und der Heavy Metal war geboren. — Euer Horst

P.P.S. Und falls du dich fragst, was die Geschichte wirklich ausmacht: Am 5. Juli 2025 spielte Tony Iommi auf dem Villa Park in Birmingham ein letztes Mal mit Ozzy Osbourne – jenem Jungen, den er in der Schule verprügelt, 1979 rausgeworfen und fünfzig Jahre lang als seinen „unmöglichsten Freund“ bezeichnet hatte. Ozzy saß auf einem schwarzen Thron, weil er nicht mehr stehen konnte. Siebzehn Tage später starb er. In seinem Nachruf schrieb Iommi: „Er war nicht mein Sänger. Er war mein Bruder. Und ohne ihn hätte es den Tony Iommi nie gegeben, den die Welt kennt.“ Zwei Jungs aus Aston. Fünfundfünfzig Jahre. Ein Genre. Das ist die ganze Geschichte.


🎬 Unbedingt anschauen

Titel Warum anschauen?
Black Sabbath – Iron Man (Paris 1970) Das Oktaven-Intro in seiner ursprünglichsten Form
Black Sabbath – Paranoid (Live California Jam 1974) Vor 250.000 Zuschauern – Iommi in Hochform
Black Sabbath – Heaven and Hell (Hammersmith 1982) Die Dio-Ära mit der Jaydee „Old Boy“
Tony Iommi – GibsonTV Icons Dokumentation Iommi erzählt seine Geschichte selbst – vom Unfall bis zur SG
Black Sabbath – God Is Dead? (Official Video) Der Grammy-Gewinner 2014 – Iommi nach der Chemotherapie
Back to the Beginning – Villa Park 2025 Das wirklich letzte Konzert – Ozzys letzter Auftritt

VIP-Guitar-Videos:
Paranoid – Black Sabbath / Tony Iommi
Iron Man – Black Sabbath
Der Mythos dicker Gitarrensaiten
Killer Pentatonik Workout
Pentatonik horizontal spielen lernen

👉 Den vollständigen Profil-Artikel mit allen Anekdoten, der kompletten Gear-Geschichte, zehn detaillierten Spieltipps, der Band-Geschichte mit allen Sängern von Dio bis Tony Martin und dem Vier-Wochen-Übungsprogramm zur Iommi-Grammatik findet ihr hier: Tony Iommi – der Mann der den Heavy Metal erfand


NEU! 04.2026 – Helix Stadium Presets – VIP-Guitar Edition 2

Das sind keine Experimente, sondern getestete, praxisnahe Arbeits-Sounds: inspirierend, dynamisch und mixtauglich. Von Hendrix über AC/DC bis Prince – jedes Preset fängt die Essenz des Originals ein, optimiert mit der neuesten Agoura-Technologie. Laden, spielen, klingen – genau dafür ist dieses Set gemacht.

Die besten Plektren: VIP-Guitar Plektren

Aktueller Kurs: Chord Knowledge – Sebastian Minet
Wenn du bereit bist, tiefer in die Harmonik einzutauchen, das Akkordspiel zu verstehen und auf ein neues Level zu heben – dann findest du hier genau das, was du benötigst. 

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Ich wünsche dir, dass du jeden Tag ein klein bisschen #besser wirst.

Viel Freude mit der Gitarre
Horst Keller
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PS: Nutze die Gelegenheit und schreibe mir. Sende mir deine Fragen, Wünsche, Ideen, Anregungen hier.

Die Workshops 2026:
02./03. Mai 2026 – „Spiele wie Jimi – Das Hendrix-Prinzip“
04./05. Juli 2026 – Gitarrencamp 2026: Dein Wochenende für echten Fortschritt
12./13. September 2026 – Rock-Klassiker Live: Lerne sie, spiele sie mit Band

Onlineshop:
NEU: 04.26 – Line 6 Helix Stadium – VIP-Guitar Edition 2
NEU: 02.26 – 
Line 6 Helix Stadium – VIP-Guitar Edition 1
NEU: 12.25 – Chord Knowledge – Sebastian Minet

Unterstütze uns über die VIP-Guitar Webseite. Das Material, das ich dir biete, ist Arbeit aus tausenden Stunden, alles liegt weit über den Unterstützerbeiträgen. Es ist die Herzensarbeit von vielen Jahren, eine Arbeit, die sich aus über 45 Jahren des Gitarrenspiels zusammensetzt. 

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