Frag Horst 07.2026
Frag Horst | Frage & Antwortrunde

Frag Horst S10 EP.07: Gitarren, Sound, Technik und Üben

Zehntes Jahr, siebte Folge: Horst beantwortet Praxisfragen zu Gitarrenwahl, Raking, Plektrumhaltung, Zieltondenken, Blues-Sound, kleinen Amps und dem langfristigen Weg am Instrument.

VideoFrag Horst S10 EP.07
FormatLive-Q&A
Dauerca. 97 Minuten
FokusPraxis, Sound, Technik

Zehntes Jahr, siebte Folge: In dieser Frage- und Antwortrunde geht es nicht um schnelle Patentrezepte, sondern um das, was beim Gitarrespielen wirklich zählt — gutes Werkzeug, saubere Technik, musikalisches Hören und ein Sound, der aus den Fingern kommt.

  • Video Frag Horst S10 EP.07 – Frage & Antwortrunde
  • Format Live-Frage-und-Antwort-Runde
  • Kernthemen Gitarrenwahl, Raking, Pickups, Plektrumhaltung, Zieltondenken, Üben, Blues-Sound, Presets
  • YouTube https://youtube.com/live/xR-dDN3wCl0

 

Der komplette Livestream

In dieser Folge beantwortet Horst Keller wieder Fragen aus der VIP-Guitar-Community — direkt aus der Praxis, mit Gitarre in der Hand und ohne künstliche Theorie-Barriere. Es geht um Instrumente, Sound, Übemethoden, technische Stolperfallen und die Frage, wie man langfristig besser wird, ohne sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren.

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Warum diese Folge wertvoll ist

Viele Gitarristen suchen die Lösung zuerst im nächsten Gerät: neue Gitarre, neuer Tonabnehmer, neues Preset, neuer Amp. Horst rückt die Perspektive zurecht: Equipment ist wichtig, aber es muss zur musikalischen Aufgabe passen. Der eigentliche Unterschied entsteht durch Einstellung, Anschlag, Gehör, Übedisziplin und die Fähigkeit, den Ton bewusst zu formen.

Der rote Faden der Folge lautet deshalb: Nicht alles sofort umbauen. Erst verstehen, was passiert. Dann gezielt entscheiden.

Der Kern dieser Fragestunde
Eine gute Gitarre, ein sinnvoll eingestellter Sound und ein sauberer Anschlag bringen dich weiter als ständiges Suchen nach dem nächsten magischen Teil.

1. Braucht man mehrere Gitarren?

Eine Gitarre reicht zum Lernen und Üben völlig aus — wenn sie gut eingestellt ist und man sie gern in die Hand nimmt. Trotzdem erklärt Horst klar, warum unterschiedliche Gitarren musikalisch echte Unterschiede machen: Mensur, Tonabnehmer, Saitenzug, Korpusresonanz, Haptik und Spielgefühl verändern nicht nur den Klang, sondern auch die Art, wie man spielt.

Eine Les Paul zwingt die Hand anders als eine typische Fender-Gitarre. Eine Telecaster führt wieder in eine andere Richtung, eine Semiakustik oder Rickenbacker ebenfalls. Für viele Spieler deckt eine kleine, sinnvolle Auswahl bereits den größten Teil der klassischen Sounds ab.

Praxisgedanke
Nicht viele Gitarren kaufen, um besser zu werden. Aber verstehen, warum bestimmte Gitarren bestimmte Musik leichter machen.

2. Raking: Nicht kompliziert, aber extrem wirkungsvoll

Beim Raking geht es darum, mehrere Saiten kontrolliert anzuschlagen, aber nur den Zielton wirklich klingen zu lassen. Die übrigen Saiten werden mit der linken und rechten Hand gedämpft. Dadurch entsteht dieser vokale, energische Anlauf in den Ton, den man von Hendrix bis zu modernen Rockgitarristen hört.

Horsts wichtigste Aussage: Du entscheidest, welche Note klingt und welche Saiten nur als gedämpfte Bewegung mitlaufen. Das ist keine Geheimtechnik, sondern Kontrolle.

Übeinstieg

  • Zielton auswählen
  • umliegende Saiten bewusst abdämpfen
  • langsam beginnen
  • nicht auf Geschwindigkeit, sondern auf saubere Trennung achten

3. Mittel-Pickup, Anschlagtiefe und Plektrumhaltung

Wenn das Plektrum ständig am Mittel-Pickup hängenbleibt, ist nicht automatisch der Pickup schuld. Horst empfiehlt zuerst zu prüfen:

  • Wie hoch sind die Pickups eingestellt?
  • Wie tief taucht das Plektrum beim Anschlag ein?
  • Wie viel Plektrumspitze schaut aus den Fingern heraus?

Gerade bei Strat-artigen Gitarren kann der Mittel-Pickup zur Hürde werden. Aber diese Hürde kann auch eine gute technische Rückmeldung sein. Wer sofort alles wegschraubt, nimmt sich vielleicht die Chance, den Anschlag zu verbessern.

Horsts Lösung
Nur eine kleine Plektrumspitze herausstehen lassen. Das erhöht Kontrolle, verbessert den Ton und erleichtert auch Pinch Harmonics.

4. Griffbrettpflege: Lemon Oil ist nicht gleich Zitronenöl

Bei Palisander, Ebenholz oder Pao Ferro kann ein geeignetes Griffbrettöl sinnvoll sein. Horst warnt aber vor der falschen Vorstellung, dass sogenanntes Lemon Oil einfach reines ätherisches Zitronenöl sei. Reines ätherisches Öl wäre wahrscheinlich viel zu aggressiv.

Bei lackierten oder dichten Ahornhälsen ist Einölen in der Regel nicht nötig. Entscheidend ist: Produktbeschreibung lesen, sparsam anwenden und nicht aus Pflegeroutine heraus Material behandeln, das gar keine Pflege in dieser Form braucht.

5. Zieltondenken, Pentatonik und Gehör

Eine der stärksten Aussagen der Folge: Man muss Improvisation nicht durch permanentes theoretisches Rechnen lähmen. Natürlich sind Zieltöne wichtig, aber in der Praxis haben viele große Gitarristen ihren Sinn für passende Töne durch Nachspielen, Hören und musikalisches Erleben entwickelt.

Horst empfiehlt deshalb: Pentatoniken, Patterns und Licks wirklich gut lernen. Nicht nur wissen, wo die Töne liegen, sondern hören, welche Töne funktionieren und warum.

Der praktische Weg
Nachspielen trainiert das Gehör oft besser als abstraktes Grübeln über jeden Akkordton.

6. Schnelles Picking: Mandolinen-Prinzip statt Verkrampfung

Für schnelles Wiederholen einer Note zeigt Horst das Prinzip: Die Saite nicht verlassen, locker bleiben und mit kontrollierter Bewegung arbeiten. Es können vier, acht oder mehr Anschläge sein — entscheidend ist, dass die Bewegung klein, gleichmäßig und entspannt bleibt.

Sein Übevorschlag ist klar: sechs Wochen lang täglich etwa 15 Minuten an dieser Grenze arbeiten. Nicht brutal, nicht aus dem ganzen Arm, sondern präzise und bewusst.

Übeidee
Nimm eine einfache Melodie oder nur eine Pentatonik und spiele einzelne Töne mit schneller, kontrollierter Wechselschlag-Repetition.

7. Sound: Presence, Mitten und der richtige Raum

Horst erklärt sehr praxisnah, warum ein Presence-Regler am Verstärker so wichtig sein kann. Wenn ein Raum voll ist, schlucken Menschen viel im oberen Frequenz- und Präsenzbereich. Presence hilft, den Sound wieder im Raum hörbar zu machen, ohne einfach nur lauter zu werden.

Auch bei Blues- und Rock-Sounds wird deutlich: Ein guter Sound lebt nicht von maximalem Gain. Er lebt von Dynamik, Mitten, Anschlagsreaktion und der richtigen Kombination aus Amp und Pedal.

Blues-Rock-Grundidee
Wenig Gain im Amp, guter dynamischer Grundsound, dann mit Pedalen — zum Beispiel Tube Screamer — das Frontend gezielt anschieben.

8. Gitarre als Lebensbegleiter

Zwischen Technik und Equipment kommt einer der wichtigsten Gedanken der Folge: Gitarre ist ein Instrument, das man ein Leben lang spielen kann. Man wird nicht in einer Woche fertig. Man entwickelt sich über Jahre, manchmal über Jahrzehnte.

Horst spricht dabei nicht romantisch, sondern sehr realistisch: Es gibt Tage, an denen die Finger laufen, und Tage, an denen alles zäh ist. Wärme, Körpergefühl, Alltag, Psyche — alles spielt mit. Entscheidend ist, das Instrument als dauerhafte Begleitung zu sehen.

Der eigentliche Schlüssel
Wer Gitarre langfristig als Teil seines Lebens begreift, wird nicht nur besser auf dem Instrument, sondern entwickelt auch Geduld, Demut und musikalische Reife.

9. C-Dur, Grundakkorde und die Realität der Hand

Auch einfache Akkorde sind am Anfang nicht einfach. Horst zeigt am C-Dur-Akkord, dass kleine Korrekturen im Zehntelmillimeterbereich entscheidend sein können. Es geht nicht darum, sofort eine perfekte klassische Haltung zu erzwingen, sondern eine funktionierende, entspannte Handposition zu finden.

Ein guter Einstieg ist der Wechsel von C-Dur nach A-Moll, weil sich dabei nur wenig bewegen muss. So lernt die Hand, ökonomisch zu arbeiten.

10. Kleine Amp-Empfehlungen und Modeller-Praxis

Für Zuhause und Überaum nennt Horst mehrere Richtungen. Wenn es um Soundqualität und klassische Amp-Logik geht, steht der Boss Katana sehr weit vorne. Der Line 6 Catalyst ist interessant, wenn man eigene Sounds bauen und stärker in die Line-6-Welt denken möchte. Für komfortables Üben mit App, vielen abrufbaren Sounds, Looper und Smart-Jam-Funktionen kann auch der Positive Grid Spark 2 eine gute Lösung sein.

Wichtig ist nicht die Marke als Glaubensfrage, sondern der Einsatzzweck: Willst du schnell gut klingende Sounds? Willst du selbst Sounds bauen? Willst du üben, loopen, jammen und unkompliziert spielen?

11. Status zu den Song-Presets

Horst gibt außerdem einen kurzen Einblick in den Stand der Song-Presets. Sie sind weit fortgeschritten, aber werden erst freigegeben, wenn sie wirklich fertig sind. Gerade Presets brauchen Feintuning, weil ein Sound nicht nur technisch funktionieren, sondern musikalisch inspirieren muss.

Das ist auch ein gutes Beispiel für Horsts Qualitätsmaßstab: Nicht rausgeben, nur weil etwas fast fertig ist. Erst freigeben, wenn es musikalisch trägt.

 

Horsts Praxisfazit

Diese Folge ist kein einzelner Produkttest, sondern ein sehr dichter Praxisabend über das echte Gitarristenleben. Die wichtigsten Botschaften sind einfach, aber nicht banal:

  • Eine gut eingestellte Gitarre ist wichtiger als ständiger Neukauf.
  • Unterschiedliche Gitarrentypen verändern Spielgefühl und musikalische Richtung.
  • Raking, Plektrumhaltung und Anschlagtiefe sind kleine technische Details mit großer Wirkung.
  • Guter Sound beginnt vor dem Amp: in der Hand, im Instrument und in der Dynamik.
  • Theorie hilft, aber Hören, Nachspielen und musikalisches Erleben sind unverzichtbar.
  • Weniger Gain ist oft der bessere Startpunkt für gute Blues- und Rock-Sounds.
  • Gitarre ist kein Sprint, sondern ein lebenslanges Handwerk.

Der wichtigste Satz dieser Folge
Nicht alles sofort austauschen. Erst hören, fühlen, verstehen — dann gezielt verbessern.

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