Frag Horst S10 EP.06: Der Strat-Showdown, das Sustain-Geheimnis & ehrliche Übe-Philosophie

Hallo zusammen,

willkommen zur sechsten Episode der zehnten Staffel von „Frag Horst“! Trotz des Feiertags haben wir uns im Studio zusammengefunden, um über die Themen zu sprechen, die uns als Musiker wirklich bewegen. In dieser Session ziehen wir ein wichtiges Zwischenfazit zum aktuellen Fender-Rechtsstreit und gehen ans Eingemachte, was deine Spieltechnik, deinen Ton und deine Übe-Routine angeht.


⚖️ Statusbericht: Der Fender-Rechtsstreit & die PRS Silver Sky

Wir stehen unmittelbar vor dem Ablauf der gesetzten Frist am 8. Juni. Aus einem vermeintlich kleinen Düsseldorfer Einzelfall ist ein internationaler Branchenkonflikt geworden, der uns Musiker emotional extrem berührt. Instrumente sind schließlich keine reinen Waren, sie schreiben unsere Lebensgeschichten.

Warum die PRS Silver Sky kein Klon ist

Fender betont zwar kommunikativ, dass sie nicht gegen jede Double-Cutaway-Gitarre vorgehen wollen, haben aber dennoch Paul Reed Smith kontaktiert. Wenn man sich die PRS Silver Sky im direkten Vergleich zur Fender Player 2 Strat anschaut, wird deutlich, wie intelligent und eigenständig PRS das Modell designt hat:

  • Der Korpus & die Hörner: Die Formgebung, die Cutaways und die Radien sind völlig unterschiedlich konstruiert.
  • Das Schlagbrett: Es besitzt komplett andere Winkel und Linienführungen.
  • Die Ergonomie: Der Hals-Korpus-Übergang ist abgerundet und weiter nach hinten versetzt, um die hohen Lagen besser zu erreichen.
  • Die Details: Die Klinkenbuchse ist nach außen gewölbt, die Potis sind versetzt und die Halsplatte ist mit vier statt sechs Schrauben befestigt.

Leo Fender: Der Problemlöser

Wie Thomas Blug in seinem aktuellen Beitrag richtig einordnet, war Leo Fender kein romantischer Kunstmaler, sondern ein genialer Praktiker und Elektroniker. Die Stratocaster entstand aus reiner Funktion und Ergonomie. Aus dieser Erfindung is über 70 Jahre hinweg eine universelle musikalische Sprache geworden. Wer Einstiegsgitarren in diesem Stil aus dem Markt drängen will, gefährdet langfristig den musikalischen Nachwuchs. Markenschutz gegen echte Täuschung und gefälschte Logos ist absolut notwendig – das Einschüchtern gewachsener Bauformen hingegen blockiert die kreative Weiterentwicklung.


🎸 Spieltechnik: Skalen musikalisch nutzen & Hände synchronisieren

Von der Tonleiter zur Musik

Eine Tonleiter zu lernen und sie praktisch beim Improvisieren einzusetzen, sind zwei völlig verschiedene Paar Schuhe. Wenn du beispielsweise die C-Dur-Tonleiter im 3 Notes per String-System gelernt hast, darfst du sie nicht einfach mechanisch rauf- und runterspielen.

  • Kleine Motive bilden: Beschränke dich pro Phrase auf maximal vier bis fünf Töne.
  • Auf die Akkorde hören: Lande bei den Zielnoten gezielt auf den Grundtönen der Begleitung.
  • Klassische Patterns nutzen: Integriere Auslass-Muster, Triolen oder Vierer-Muster und kombiniere sie mit Slides, Hammer-Ons und Pull-Offs.

Tipp für die Band: Übe das, was du neu lernst, zuerst im Sitzen. Sobald die Motorik sitzt, solltest du es zwingend im Stehen üben. Achte darauf, dass deine Gitarre im Stehen nicht plötzlich viel tiefer hängt, sonst ruinierst du dir das Handgelenk.

Die hocheffektive Synchronisations-Übung

Wenn schnelle Läufe unsauber klingen, liegt es meistens daran, dass die rechte Hand minimal zu früh oder zu spät anschlägt. Nutze hierfür die Vier-Töne-Akzentübung auf einer einzigen Saite, um dich nicht selbst auszutricksen:

  1. Spiele eine feste Vierergruppe an Tönen.
  2. Betone im ersten Durchgang extrem die Note 1, danach im nächsten Durchgang die Note 2, dann die 3 und schließlich die 4.
  3. Halte die Bewegungen des Plektrums so winzig, dass es die Saite kaum verlässt.
  4. Ganz wichtig: Verstecke dich beim Üben nicht hinter einer Raumsuppe aus zu viel Hall und Echo, sondern nutze einen trockenen Clean-Sound, um jeden Fehler sofort zu hören.

🛠️ Der Weg zu endlosem Sustain & das Geheimnis von Strymon

Wie du den Ton stehen lässt

Ein lang anhaltendes Sustain ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis aus Setup und Technik:

  • Keine zu tiefe Saitenlage: Wenn die Saite die benachbarten Bünde ganz leicht berührt, wird die Schwingung sofort abgebremst.
  • Pickup-Höhe korrigieren: Schraube deine Tonabnehmer nicht zu nah an die Saiten. Vor allem bei Single Coils bremst der Magnetismus die Saite massiv aus.
  • Die Greifhand: Greife den Ton bombenfest direkt hinter dem Bundstäbchen und halte ihn mit einem kontrollierten Vibrato am Leben.
  • Stacked Overdrives nutzen: Kombiniere mehrere Verzerrer hintereinander. Das komprimiert den Ton und verlängert das Sustain spürbar. Wenn das integrierte Noise Gate den Ton zu früh abschneidet, musst du es feinfühliger einstellen oder testweise ausschalten.

Kleine Equipment-Anekdote am Rande

Wusstest du, dass die weltbekannten Effekte von Strymon tiefe Wurzeln bei Line 6 haben? Rund 80 % des Gründerteams haben Anfang der 2000er Jahre die legendären bunten Line 6 Modeler-Pedale entwickelt. Später gründeten sie die Firma Damage Control und bauten Hybrid-Pedale mit Röhren, bevor daraus schließlich die Edelschmiede Strymon entstand, deren Hall- und Delay-Algorithmen bis heute das absolute Nonplusultra auf den Boards der Profis darstellen.


🕒 Die wichtigsten Zeitmarken

00:00 Intro & Begrüßung
01:35 Fender-Klage: Zwischenbericht & Updates
02:55 Die emotionale Komponente der Stratocaster
06:41 Die 4 wichtigsten Neuerungen im Branchenkonflikt
07:28 LsL Instruments & PRS Silver Sky im Fokus
09:14 Thomas Blug: Warum die Szene so emotional reagiert
12:09 Warum S-Style-Alternativen entstehen
15:11 Die Bedeutung bezahlbarer Einstiegsgitarren
16:52 PRS Silver Sky vs. Fender Player Strat: Der Vergleich
19:37 Einblick bei Thomann: Details im Online-Vergleich
20:55 Design-Details: Warum die Silver Sky kein Klon ist
27:56 Fender als Problemlöser: Funktion vor reinem Design
29:45 Klartext: Markenschutz vs. musikalische Weiterentwicklung
32:43 Ausblick: Wo stehen wir vor dem Fristablauf am 8. Juni?
37:35 Praxis-Check: Wie du Tonleitern (3 Notes per String) musikalisch einsetzt
44:53 Kreative Phrasierung: Patterns & Triolen über Backing Tracks
49:01 Üben im Sitzen vs. Spielen im Stehen: Tipps für die Band
53:52 Das Geheimnis des sauberen Abdämpfens (Muting)
56:50 Praktische Übungen für die rechte & linke Hand
01:01:42 Düsenberg Starplayer: Konstruktion & Pickup-Unterschiede
01:05:28 So bekommst du maximales Sustain (Overdrive Stacking)
01:16:03 Effektives Gehörtraining durch Mitsingen beim Spielen
01:21:13 Die Geschichte hinter Strymon, Damage Control & Line 6
01:26:01 Hürde "Johnny B. Goode" Intro: Piano-Technik auf der Gitarre
01:31:09 In Bausteinen üben: Den Rock 'n' Roll Groove auf Tempo bringen
01:37:53 Synchronisation der Hände bei schnellen Läufen trainieren
01:39:20 Die hocheffektive 4-Töne-Akzentübung
01:46:44 Übe-Biografie: Wie viel Training es wirklich braucht
01:51:01 Keine Abkürzungen: Die besten Lehrvideos (Petrucci / Gilbert)
01:56:02 Verabschiedung & Fazit

🎯 Klartext über das Üben: Keine magischen Abkürzungen

Helmut erzählte im Chat, dass er seit zwei Jahren täglich eine Stunde am Intro von Johnny B. Goode arbeitet und es einfach nicht sauber auf Tempo bekommt. Das ist kein Fleißproblem! Die Wahrheit ist: Dieses legendäre Intro basiert auf einer typischen Honkytonk-Piano-Technik und ist von Natur aus absolut un-gitarristisch zu greifen.

  • Die Lösung: Zerlege das Ganze in winzige Bausteine. Bring zuerst die reine Rhythmusbegleitung und die Downstrokes auf ein extrem stabiles, lockeres Tempo. Erst wenn der Rock ’n‘ Roll Groove in Fleisch und Blut übergegangen ist, setzt du das Solo obendrauf.

Mein Angebot an Helmut und alle, die an einer harten Nuss nagen: Nimm dich einfach kurz mit dem Handy beim Spielen auf. Lade das Video bei Dropbox oder WeTransfer hoch und schicke mir den Link an info@vip-guitar.de. Ich schaue mir deine Handhaltung an und gebe dir ein ehrliches, direktes Feedback.

Fallt nicht auf den ganzen Blödsinn herein, der euch im Internet mit reißerischen Thumbnails und Versprechungen wie „Magische Tonleitern“ verkauft werden soll. Das ist reine Zeitverschwendung. Am harten, fokussierten Training führt kein Weg vorbei. Die zwei besten Lehrvideos, die jemals produziert wurden und auf denen auch meine gesamte technische Basis aufbaut, sind „Rock Discipline“ von John Petrucci und „Technical Difficulties“ von Paul Gilbert. Schnappt euch dieses Material und arbeitet es strukturiert durch.

Nutzt auch die intelligente Suche auf unserer VIP-Guitar-Webseite. Damit könnt ihr die über 1000 Lernvideos der letzten 15 Jahre sekundengenau nach euren Wunschthemen durchforstenNimm die Gitarre täglich in die Hand, bleib locker und betrachte das Üben als deine persönliche Meditation im stressigen Alltag.

Dein Horst Keller
VIP-Guitar


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