Wir holen unsere Energie zurück.
VIP-Guitar verabschiedet sich von Instagram, TikTok und X. Dazu: Legato live, Back in Black und Angus Young.
Liebe Gitarrenfreunde, liebe VIP-Guitar Community,
es gibt einen Punkt, an dem Reichweite zu teuer wird. Nicht in Euro, sondern in Aufmerksamkeit, Haltung und Energie.
Instagram, TikTok und X werden von VIP-Guitar nicht mehr aktiv bespielt.
Diese Entscheidung ist nicht spontan entstanden. Ich habe lange beobachtet, was diese Plattformen mit Inhalten, Gesprächen und vor allem mit unserer Aufmerksamkeit machen. Immer kürzer. Immer lauter. Immer schneller. Ein Reiz jagt den nächsten, und nach zwanzig Minuten weiß man oft nicht mehr, was man eigentlich gesehen hat.
Wo Aufmerksamkeit hingeht, fließt Energie. Das klingt vielleicht philosophisch, ist aber sehr konkret. Aufmerksamkeit besteht aus Lebenszeit. Wenn ich täglich Material für Systeme produziere, deren Logik mir inzwischen vollständig widerstrebt, unterstütze ich diese Logik mit meiner Arbeit. Das will ich nicht mehr.
Für mich sind diese Plattformen zu einer digitalen Seuche geworden. Wer den Film Idiocracy kennt, versteht das Bild, das ich dabei im Kopf habe. Ich muss dort nicht präsent sein, nur weil man uns seit Jahren erzählt, eine Marke müsse überall stattfinden. Wenn diese Plattformen in ihrem eigenen Sumpf untergehen, dann ohne unsere Energie.
Wir löschen nichts kopflos. Die Konten und Namen bleiben zunächst gesichert. Aber wir ziehen unsere Arbeit konsequent zurück.
Wohin unsere Energie jetzt fließt
VIP-Guitar verschwindet nicht. Das Gegenteil ist der Fall.
Wir konzentrieren uns auf die Orte, an denen Musik mehr sein darf als der nächste Clip: YouTube, unsere Website und diesen Newsletter. Dort kann ich etwas erklären, vorspielen, auseinandernehmen und mit euch diskutieren. Dort führt ein Gedanke zurück zur Gitarre, statt sofort vom nächsten Reiz verdrängt zu werden.
Das ist auch eine wirtschaftliche Entscheidung. Eine unabhängige Plattform wird nicht dadurch tragfähig, dass sie überall ein paar hundert flüchtige Kontakte sammelt. Sie wird tragfähig, wenn Menschen wiederkommen, lernen, Mitglied werden, Workshops besuchen und unsere Arbeit weiterempfehlen.
Ich will nicht mehr Reichweite um jeden Preis. Ich will die richtigen Menschen erreichen und ihnen etwas geben, das nach dem Schließen des Bildschirms noch da ist.
Wer seine Aufmerksamkeit nicht selbst lenkt, übt irgendwann nur noch das, was andere ihm vorsetzen.
Donnerstag live: Der erste Legato-Lick, den jeder Gitarrist lernen sollte
Am Donnerstag, 10. September 2026, um 17:00 Uhr gehen wir live.
Legato passt erstaunlich gut zu dieser Entscheidung. Beim Legato wird nur der erste Ton angeschlagen. Danach muss die Greifhand die Linie tragen. Kein neuer Plektrumanschlag rettet einen zu leisen Hammer-on. Kein Effekt versteckt einen kraftlosen Pull-off. Und hektisches Tempo macht aus einer unsauberen Bewegung nur eine schnellere unsaubere Bewegung.
Im Livestream arbeiten wir an vier Dingen: gleiche Lautstärke, gleiche Tonlänge, ruhiges Timing und eine entspannte Hand.
Du lernst die grundlegende Siebenton-Bewegung, überträgst sie auf die komplette C-Dur-Lage und trainierst anschließend einen chromatischen Vierfinger-Stretch auf der hohen e- und H-Saite. Der kleine Finger gehört von Anfang an dazu.
Nimm deine Gitarre in die Hand und spiel direkt mit. Wenn ein Finger leiser wird oder ein Saitenwechsel die Linie zerlegt, schreib es in den Livechat. Dafür ist dieser Livestream da.
Neu: Das Klassikvideo der Woche
Ab dieser Ausgabe hole ich jede Woche ein Video aus dem großen VIP-Guitar-Archiv zurück, das musikalisch noch immer etwas zu sagen hat.
Wir beginnen mit Back in Black.
Das berühmte Riff ist ein perfektes Beispiel dafür, warum wenige Töne nicht automatisch leicht sind. Die Akkorde kennt man schnell. Schwieriger sind der exakte Anschlag, die sofortige Dämpfung, das Gewicht der Pausen und dieses unerbittlich klare Timing.
Viele spielen die richtigen Griffe. Entscheidend ist, ob auch der Raum zwischen den Griffen stimmt.
Auf der vollständig überarbeiteten Tutorialseite findest du das komplette Video, direkte Kapitel, die wichtigsten Spielhinweise und einen klaren Übeweg durch Riff, Begleitung und Solo.
Angus Young: Energie braucht Präzision
Angus Young habe ich bereits in der Ausgabe WO48/2025 ausführlich vorgestellt. Deshalb erzähle ich seine Biografie heute nicht noch einmal.
Ein Gedanke passt jedoch zu dieser Woche: Energie ist nicht dasselbe wie Lärm. Bei Angus wirkt die Gitarre so unmittelbar, weil Anschlag, Timing, Tonlänge und Pause eine klare Richtung besitzen. Die Bewegung auf der Bühne ist wild. Das musikalische Fundament ist es nicht.
Back in Black zeigt das wie kaum ein anderer Song. Das Riff hat Luft, Malcolm Youngs Rhythmusarbeit besitzt Gewicht, und Angus setzt seine Stimme darüber, ohne das Fundament zuzuschütten. Darin liegt die Kraft.
Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du hier mein ausführliches Porträt mit Spielprinzipien und konkreten Lektionen für Gitarristen.
Dieses Wochenende: Rock-Klassiker Live
Am 12. und 13. September 2026 geht es in Grebenau nicht um Reichweite, sondern um das Gegenteil: um Menschen in einem Raum, Gitarren in der Hand und Musik, die im selben Moment entsteht.
Bei Rock-Klassiker Live spielen wir Hey Joe und Sunshine of Your Love mit professioneller Rhythmusgruppe. Du hörst unmittelbar, ob dein Timing trägt, ob du den anderen zuhörst und ob dein Ton seinen Platz im Gesamtklang findet.
Dafür machen wir VIP-Guitar. Kein Wischen, kein Algorithmus, kein künstlicher Dauerreiz. Ein Song, eine Band und die Verantwortung für den nächsten Ton.
Unabhängigkeit braucht Menschen
Der Rückzug von Instagram, TikTok und X ist keine Flucht aus der Öffentlichkeit. Er ist eine Entscheidung für eine andere Form von Öffentlichkeit.
Wenn du diesen Weg mittragen willst, dann bleib nicht nur stiller Leser. Nutze VIP-Guitar, teile unsere Videos mit Gitarristen, denen sie wirklich helfen, und unterstütze die Plattform als Mitglied. Damit stärkst du eine Arbeit, die keinem fremden Feed gehören soll.
Dein Auftrag für diese Woche
Schalte einen dieser endlosen Feeds für 24 Stunden aus. Nimm acht Minuten davon und setz dich mit der Gitarre hin.
Spiele eine einzige Legato-Zelle. Langsam. Hör nur auf Lautstärke, Tonlänge und Timing. Wenn ein Ton einbricht, erhöhe nicht die Kraft. Verringere das Tempo und finde die Ursache.
Vielleicht sind acht konzentrierte Minuten weniger spektakulär als hundert Clips. Für dein Spiel sind sie mit großer Wahrscheinlichkeit wertvoller.
Und jetzt interessiert mich deine Meinung: Ist unser Rückzug aus Instagram, TikTok und X überfällig, oder hältst du ihn für einen Fehler?
Keep on playing und halte die Gitarre am Leben!
Euer Horst
www.vip-guitar.de
VIP-Guitar News jede Woche
Noch nicht im Newsletter? Hier kannst du ihn abonnieren. Jede Woche direkt von Horst: Übungen, Lives, Workshops und das, was gerade zählt.


