Joe Satriani · H-Dur · Legato, Tapping und Phrasierung
Always With Me, Always With You auf der Gitarre: Aus Virtuosität werden kleine, lernbare Phrasen.
Horst war 20, als Surfing With the Alien erschien. Er wollte dieses Stück unbedingt spielen und hörte sich damals vieles selbst heraus. In der heutigen Lektion zeigt er den entscheidenden Perspektivwechsel: Du musst nicht 84 Minuten Solo auf einmal beherrschen. Du lernst von Pausenzeichen zu Pausenzeichen, vier Takte nach den nächsten.
Komplette Videolektion
84 Minuten über Akkorde, Melodie, Legato, Tapping und Sound.
Horst beginnt beim singenden Grundsound und bei der klaren Begleitgitarre. Danach führt er durch die achtseitige Notation: Die Melodie setzt in Takt 21 ein, wächst über kleine Variationen, erscheint später eine Oktave höher und öffnet sich zu schnellen Läufen, Tapping und Bluesphrasen.
Der Lernwert liegt nicht nur im kompletten Song. Jede Passage ist eine eigene Studie über Hammer-ons, Pull-offs, Slides, Bendings, künstliche Obertöne, Tapping und kontrollierte Pausen. Du kannst deshalb auch dann sinnvoll arbeiten, wenn das ganze Stück noch weit entfernt ist.
Dein erster Auftrag: Nimm nur vier Takte und markiere Anfang und Ende an den Pausenzeichen. Lerne zuerst die Tonfolge und den Fingersatz. Tempo und Verzierungen kommen später.
Dein Hörtest: Kannst du die Phrase ohne Tabulatur innerlich weiterhören? Wenn ja, besitzt du bereits die musikalische Form, in die Hammer-ons, Slides und Bendings eingesetzt werden.
Der eigentliche Lernschlüssel
Von Pausenzeichen zu Pausenzeichen.
Ein schneller Lauf wirkt unlösbar, solange du ihn als einen einzigen Block betrachtest. Horst teilt ihn dort, wo Satriani selbst musikalisch atmet. So entsteht aus einer scheinbar geschlossenen Wand eine Folge kurzer Aufgaben. Die Pause ist nicht das Ende des Übens, sondern deine Schnittmarke.
Vier Takte reichen
Lerne heute vier bis sechs Takte. Morgen kommt der nächste Abschnitt hinzu. Erst danach verbindest du beide zu einer längeren musikalischen Aussage.
Melodie vor Tempo
Die Töne, Positionen und Pausen müssen sicher sein. Geschwindigkeit entsteht aus kleinen Wiederholungen und lockerer Bewegung, nicht aus einem hektischen Gesamtdurchlauf.
Das Lick bleibt bei dir
Du darfst eine Lieblingspassage isolieren. Ein sauber verstandenes Legato-Muster oder Blueslick erweitert dein eigenes Spiel, auch wenn der komplette Song später kommt.
Vier Sprachbausteine von Joe Satriani
Die Virtuosität besteht aus wiederholbaren Bewegungen.
Im Stück wechseln lyrische Melodie und technische Brillanz. Die Verbindung entsteht durch wenige klar erkennbare Bewegungsprinzipien. Horst löst sie aus dem Song, verlangsamt sie und zeigt, wie du sie auf andere Stellen des Griffbretts übertragen kannst.
Pull-off, Slide, Hammer-on
Diese Folge ist eine Schlüsseltechnik. Der Slide verschiebt die Lage, ohne den Tonfluss zu unterbrechen. Übe sie zuerst als kleine Zelle in der Durtonleiter.
Bending und Oberton
Ganzton- und Halbton-Bendings tragen die Melodie. Ein künstlicher Oberton auf der G-Saite setzt einen scharfen Akzent, bevor das Legato weiterläuft.
Tapping mit Pedalton
In der Bridge bleibt die rechte Hand am 12. Bund, während links 11, 9, 7, 5, 4 und 2 wechseln. Die leere H-Saite hält den Zusammenhang hörbar.
Blues in H-Dur
Zwischen den modalen Farben taucht ein klarer Bluesrock-Lick mit Blue Note auf. Genau dieser Kontrast gibt der glatten Legato-Linie Erdung.
Begleitung, Harmonie und Form
Offene Akkordfarben tragen die singende Melodie.
Die Begleitung ist kein neutraler Hintergrund. Add11-, Maj7/Add13- und Sus4-Klänge öffnen den Raum für die H-Dur-Melodie. Horst spielt die sechs Achtel als drei Abschläge und drei Aufschläge. Das ergibt den fließenden Puls im 3/4-Takt, den er im Video augenzwinkernd als schnellen Walzer bezeichnet.
Die schwierigen Stellen kontrollieren
Drei Probleme, drei getrennte Lösungen.
Der anspruchsvollste Lauf wird im Tutorial in drei Teile zerlegt und zunächst bei Tempo 60 gespielt. Auch Nebengeräusche und Handspannung werden als eigene Aufgaben behandelt. So bleibt die Technik überprüfbar, statt sich hinter mehr Gain oder mehr Kraft zu verstecken.
Drei Teile statt einer Wand
Der erste Abschnitt beginnt mit Bending und Pull-offs. Danach folgt die typische Legato-Zelle. Der letzte Teil wird erst verbunden, wenn beide Bewegungen einzeln locker laufen.
Nur die Zielsaite bleibt frei
Beim Tapping formt die rechte Hand einen Bogen und dämpft die übrigen Saiten. Beim Legato kann ein Saitendämpfer hinter dem Sattel zusätzliche Resonanzen reduzieren.
Kein Tempo gegen Widerstand
Horst empfiehlt niedrige Saitenlage, dünne 8er- oder 9er-Saiten und einen singenden Humbucker-Ton. Schmerzen und dauerhafte Muskelspannung sind ein Stoppsignal.
Direkte Kapitel im Tutorial
Springe genau zu der Technik, die du heute trainieren willst.
- 00:24 · ÜberblickSong, Begleitung, Sound und Spieltechniken.
- 02:39 · Level und VoraussetzungFortgeschrittenes Stück und erste Legato-Grundlagen.
- 03:17 · Singender GrundsoundSoldano, Dynamik, Kompressor, Boxen und Raum.
- 07:16 · BegleitakkordeAdd-, Sus- und Maj7-Farben im 3/4-Takt.
- 11:24 · Die Melodie beginntPalm Mute, Slides und erste Variationen.
- 17:47 · Erstes CrescendoSpannung, Picking und Ganzton-Bending.
- 20:33 · Sechs-Wochen-PlanMelodie sichern und Einzelpassagen zerlegen.
- 22:18 · Nach Pausenzeichen lernenKurze Phrasen erkennen und verbinden.
- 25:26 · H-Dur-PentatonikSüße Melodie und lange Bendings.
- 27:45 · Spannung und LegatoDer Song wechselt in die technisch heiße Phase.
- 31:10 · Der schwierigste LaufDrei Einzelteile statt eines langen Blocks.
- 36:34 · Legato-SchlüsselPull-off, Slide, Hammer-on als übertragbare Zelle.
- 42:11 · Künstlicher ObertonPinch Harmonic und anschließende Auflösung.
- 46:52 · Melodie eine Oktave höherDasselbe Thema in neuer Lage.
- 48:53 · Tapping-Bridge12. Bund, leere H-Saite und wechselnde Greiftöne.
- 54:49 · Aufgang zum FinaleTerzen, Slides und gleichbleibende Intervalle.
- 58:07 · Blueslick mit Blue NoteH-Dur-Pentatonik trifft auf Hendrix-Sprache.
- 61:29 · Arpeggio und Legato-ZellenWiederholen, verschieben und auflösen.
- 66:38 · Durchlauf mit BackingtrackDas Stück im musikalischen Zusammenhang.
- 70:22 · Horsts ÜbefazitLieblingspassagen, Geduld und lockere Hände.
Konkreter Übeplan
Sechs Wochen geben dem Stück eine reale Chance.
Horst selbst trainierte vor der Lektion zwei Wochen lang täglich mindestens anderthalb Stunden. Das ist der ehrliche Maßstab hinter dem scheinbar mühelosen Durchlauf. Für dein Lernen empfiehlt er einen längeren Horizont und klar begrenzte Einheiten.
Wähle nach Begeisterung: Beginne mit dem Lick, dem Tapping oder der Melodie, die dich wirklich in das Stück zieht. Motivation entsteht hier aus einem konkreten Klang, nicht aus der Pflicht, alles der Reihe nach abzuarbeiten.
Teile am Pausenzeichen: Wiederhole vier bis sechs Takte, bis Fingersatz und Tonfolge stabil sind. Verbinde erst dann zwei Abschnitte. Den schwierigsten Lauf trainierst du in seinen drei Einzelteilen.
Beende bei Spannung: Flüssiges Legato braucht lockere Hände. Wenn die Finger drücken, die Unterarme verhärten oder Schmerzen entstehen, reduzierst du Tempo und Umfang sofort.
- Begleitung verstehen: Akkordwechsel und den Sechserpuls aus drei Ab- und drei Aufschlägen sichern.
- Melodie lernen: Vier Takte zwischen zwei Pausen auswählen, singen und ohne Verzierungsdruck greifen.
- Fingersatz festlegen: Horsts oder Satrianis Weg testen und die für deine Hand logischere Lage verbindlich wählen.
- Legato isolieren: Pull-off, Slide und Hammer-on bei reduziertem Tempo als eigene Bewegungszelle loopen.
- Artikulation ergänzen: Palm Mute, Bending, Vibrato, Oberton und Tapping nur einzeln kontrolliert hinzufügen.
- Mit Backingtrack verbinden: Längere Abschnitte spielen, Pausen stehen lassen und kleine eigene Nuancen zulassen.
Für VIP-Guitar Premium-Member
Notation, Guitar Pro und Backingtrack
Horsts Archivmaterial umfasst die achtseitige Ausarbeitung in Standardstimmung, Guitar-Pro-Dateien für Song und Full Track sowie einen rund 3:22 Minuten langen Backingtrack. Nutze die Notation für Taktgrenzen und Fingersätze, das Video für Bewegung, Dämpfung und musikalische Gewichtung.
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Diese Dateien sind Horst Kellers Interpretation des Stücks und ausschließlich für privates Studium, Ausbildung oder Forschung bestimmt.
Sound und Spielgefühl
Singender Ton ohne versteckte Ungenauigkeit.
Im Tutorial nutzt Horst einen Soldano-artigen Sound mit wenig Verzerrung, betonten Mitten, Greenback-Boxen, dezentem Kompressor, digitalem Delay und langem Plattenhall. Der Ton soll tragen, aber auf den Anschlag reagieren. Zu viel Gain verdeckt genau die Nebengeräusche, die du beim Legato kontrollieren musst.
Kompression nur als Hilfe
Für die Legato-Passagen kann ein Kompressor den Ton stützen. Horst reduziert den Mix, damit Anschlag und Lautstärkeregler der Gitarre weiterhin hörbar reagieren.
Delay hinter der Linie
Drei dezente Wiederholungen und ein langer Plattenhall verlängern die Melodie. Sie dürfen das Ende einer Phrase und die nächste Pause nicht verschleiern.
Gezielt weiterlernen



