Songtutorial · Frank Sinatra · Jazz-Standard
Fly Me to the Moon auf der Gitarre: Akkorde, Swing und Melodie
Dieser Standard ist ein ungewöhnlich guter Einstieg in Jazzgitarre. Horst Keller und Sebastian Minet zeigen in 51 Minuten offene Septakkorde, zwei Begleitrhythmen, die notierte Melodie, Oktaven, Verzierungen und den Weg zur ersten Improvisation in C-Dur.
Die vollständige Lektion
Erst hören, dann die Rollen trennen
Horst und Sebastian behandeln denselben Song aus zwei Blickwinkeln. Horst hält die Begleitung bewusst in den ersten drei Bünden und übersetzt den Swing in klare Bewegungen der rechten Hand. Sebastian zeigt, wie aus Akkorden und Melodie nach und nach ein persönliches Arrangement wird. Höre im ersten Durchgang nur auf Puls, Akkordwechsel und Melodiebögen.
Ein Song, der mit dir wachsen kann
Bart Howard schrieb das Stück 1954 zunächst unter dem Titel In Other Words. Frank Sinatras Aufnahme mit Count Basie und dem Arrangement von Quincy Jones erschien 1964. Für diese Lektion ist der historische Rang weniger wichtig als die musikalische Konstruktion: Die Harmonie bleibt überwiegend in C-Dur und führt durch typische II-V-I-Verbindungen.
Die ursprüngliche Fassung war als Walzer gedacht. Horst und Sebastian arbeiten hier mit einem Medium-Swing. Dieselbe Folge lässt sich auch als Bossa Nova behandeln. Genau diese Offenheit macht den Song zum guten Lernstück: Die Form bleibt erkennbar, während Rhythmus, Voicings und Phrasierung reifer werden.
Harmonie in der ersten Lage
Vierklänge, die logisch ineinandergreifen
Das PDF führt Am7, Dm7, G7, Cmaj7, C7, Fmaj7, Bm7b5, E7, A7, Em7 und C6 auf. Fast alle Griffe liegen in den ersten drei Bünden. Dadurch kann sich die linke Hand auf saubere Wechsel konzentrieren, während die rechte Hand den Charakter erzeugt. Der Bm7b5 ist die einzige ungewohnte Form. Horst zeigt dafür auch eine vereinfachte Variante ohne Zeigefinger.
Am7 bis Cmaj7
Am7, Dm7, G7 und Cmaj7 bilden die zentrale Bewegung. Spiele jeden Griff zunächst als ruhigen Vierklang.
C7 nach Fmaj7
Das C wird zur Dominante und führt nach F. Höre die kleine Septime, statt nur einen Finger wegzunehmen.
Bm7b5 und E7
Diese beiden Akkorde führen zurück nach A-Moll. Übe den Wechsel separat und halte die Finger möglichst nah am Griffbrett.
C6 als Schluss
Der Sechserakkord gibt dem Ende seine Jazzfarbe. Vergleiche Cmaj7, C6 und C-Dur bewusst nacheinander.
Rechte Hand und Puls
Die Drei übernimmt die Rolle der Snare
Horsts erste Begleitung arbeitet mit Daumen und Zeigefinger. Der Daumen spielt abwärts, der Zeigefinger aufwärts. Auf der Drei setzt der Fingernagel einen klaren Akzent. Derselbe Effekt funktioniert gezupft. Sebastian ergänzt als zweite Möglichkeit den Charleston-Rhythmus auf Eins und Zwei-und. Diese reduzierte Begleitung lässt Platz für Bass, Melodie oder eine zweite Gitarre.
Daumen und Zeigefinger
Spiele ab, auf, Akzent, auf. Der Schlag auf der Drei soll deutlich sein, aber den Puls nicht beschleunigen.
Gezupfte Begleitung
Übertrage denselben Puls auf Bass und Akkord. Kontrolliere, dass die Drei hörbar bleibt und alle Stimmen kurz genug klingen.
Charleston
Setze den Akkord auf Eins und Zwei-und. Wenige Schläge genügen, wenn Timing und Akkordlänge stimmen.
Vom Notenbild zum eigenen Satz
Die Melodie ist dein erstes Solo
Horst verzichtet bewusst auf Tabulatur. Die Melodie bewegt sich ungefähr von C bis zum nächsten C und bleibt fast vollständig in C-Dur. Einzelne chromatische Töne gehören zur notierten Linie. Das Ziel ist, die Noten zu lesen, die Tonhöhen auf dem Griffbrett zu finden und jeden Ton musikalisch zu formen.
Danach kommen kleine Veränderungen: leichtes Vibrato, Slides von unten oder oben, Hammer-ons, chromatische oder diatonische Umspielungen und doppelt gespielte Töne. Erst wenn die schlichte Melodie schön klingt, lohnt sich die Verzierung.
Oktaven geben der Linie den warmen Wes-Montgomery-Charakter. Der Daumen schlägt weich an. Zeige- und Mittelfinger der Greifhand dämpfen die übrigen Saiten. Das Dämpfen ist dabei wichtiger als die reine Griffbewegung.
So wächst ein Arrangement
- Originalaufnahme mehrmals konzentriert hören.
- Akkorde und schlichte Melodie sicher lernen.
- Eine 33- bis 45-sekündige Akkordschleife aufnehmen.
- C-Dur-Tonleiter über die Schleife spielen.
- Ein Motiv verändern, nicht zehn Effekte gleichzeitig.
- Später Oktaven, Voicings und chromatische Töne ergänzen.
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20 Kapitel für deinen Übeweg
- 00:06 · BegrüßungHorst und Sebastian stellen die Lektion vor.
- 00:25 · Der SongJazz-Standard und wiederkehrende Harmonie.
- 01:06 · Einstieg in JazzWarum C-Dur hier weit trägt.
- 01:52 · SeptakkordeVierklänge in den ersten drei Bünden.
- 02:35 · Sebastians GuildHohle Gitarre und warmer Jazzton.
- 03:56 · Bekannte VersionenSinatra, Bennett und Bublé.
- 04:46 · Walzer, Swing, BossaDrei rhythmische Blickwinkel.
- 05:20 · AkkordübersichtAlle Formen der Lektion.
- 07:45 · BegleitungDaumen, Zeigefinger und Akzent auf Drei.
- 09:39 · CharlestonReduzierte Begleitung auf Eins und Zwei-und.
- 10:57 · Akkorde visualisierenFormen parallel auf dem Griffbrett sehen.
- 13:31 · Die MelodieNoten lesen statt Tabulatur kopieren.
- 16:15 · Swing gestaltenAkzente und kleine Akkordbewegungen.
- 17:08 · Stücke lernenSebastians Arbeitsweise im Jazz.
- 20:06 · Jeder Ton soll schön seinHorsts Klangmaßstab und Oktaven.
- 23:43 · ImprovisationMelodie, Motivarbeit und freies Spiel.
- 28:00 · Loop aufnehmenAkkordfolge als Übefläche.
- 28:24 · Melodie verzierenVibrato, Slides und Umspielungen.
- 31:41 · OktavenDaumenanschlag und Dämpfung.
- 37:46 · Erweiterte VoicingsNone, Shell Voicings und 13er-Klang.
Konkreter Übeplan
Sechs Einheiten vom Akkord zur Improvisation
- Akkorde: Elf Formen einzeln greifen und jeden Ton prüfen.
- Verbindungen: Am7, Dm7, G7 und Cmaj7 ohne Rhythmus wechseln.
- Swing: Daumen-Zeigefinger-Muster mit Akzent auf der Drei üben.
- Loop: Einen harmonischen Durchgang sauber aufnehmen.
- Melodie: Noten lesen, Zielton hören, Ton für Ton schön spielen.
- Ausdruck: Pro Durchgang genau eine Verzierung hinzufügen.
Kleine Portionen, lange Wirkung
Sebastian beschreibt die Arbeit am Standard als Häppchenprinzip. Erst hören, dann Akkorde und Melodie lernen. Voicings, Rhythmusvarianten und Improvisation kommen später hinzu. Der Song muss nicht in einer Woche fertig sein.
Nimm die Akkordfolge als Schleife auf und spiele zunächst nur die C-Dur-Tonleiter. Suche danach ein kurzes Motiv, wiederhole es und verändere Rhythmus oder Endton. So entsteht Zusammenhang statt Tonleiterbewegung.
Bei Oktaven prüfst du nach jedem Anschlag die gedämpften Saiten. Klingt eine Nebensaite mit, stoppst du sofort. Erst wenn zwei Töne klar und der Rest still bleibt, bewegst du die Form weiter.
Der Klang ist Teil der Technik. Horst und Sebastian verlangen auch bei einer einfachen Tonleiter einen schönen, dynamischen Ton. Tempo ist hier kein eigenes Lernziel.
Kontrolle: Spiele die schlichte Melodie einmal ohne Verzierung. Nimm sie auf. Ergänze danach nur Slides oder nur Vibrato und vergleiche beide Fassungen.
Transfer: Sobald die Form sicher ist, begleite eine zweite Person mit dem Charleston-Rhythmus. Weniger Anschläge geben der Melodie mehr Raum.
Premium-Material
Noten, Akkordblatt und drei Loops
Das bestehende Unterstützerpaket bleibt unverändert. Das lokale Originalarchiv enthält ein vierseitiges PDF mit Akkorden, Griffbildern, Noten und Hintergrund sowie drei vollständig decodierte MP3-Loops: Begleitung, Begleitung mit Einzähler und eine Melodiefassung.
Noch kein Zugriff? Unterstützerstufen ansehen
Hinweis: Das Material ist zum persönlichen Lernen bestimmt. Rechte an Komposition, Liedtext und Originalaufnahmen verbleiben bei den jeweiligen Rechteinhabern.
Sound und Zusammenspiel
Wärme entsteht vor dem Verstärker
Sebastians hohle Guild mit einem P90 liefert einen warmen, akustisch gefärbten Jazzton. Für die Lektion ist das kein Pflichtinstrument. Entscheidend sind weicher Anschlag, kurze Akkordlängen, kontrollierte Dynamik und genügend Platz zwischen Begleitung und Melodie.
Wenig Anschläge, klare Funktion
Nimm Bässe und Akkorde nicht zu lang. Der Charleston funktioniert besonders gut, wenn Bass oder zweite Gitarre bereits andere Informationen liefern.
Weicher Ton, hörbares Ziel
Spiele mit Fingern oder Daumen näher am Hals. Vibrato, Slide und Dynamik sollen die Phrase erklären, nicht die Tonhöhe verdecken.
Passende nächste Schritte
Vertiefe Harmonie, Tonleiter und Phrasierung
Deine Erfahrung
Wo beginnt der Song für dich zu swingen?
Ist dein Engpass der Bm7b5, der Akzent auf der Drei, das Notenlesen oder die erste Improvisation über den Loop? Das native Kommentarformular bleibt geöffnet.


