VIP-GUITAR Newsletter WO.10/2026
Liebe Gitarrenfreunde, liebe VIP-Guitar Community,
kurze Frage vorweg, und ich meine das ernst: Geht ihr noch zu großen Konzerten?
Also nicht, ob ihr Musik mögt. Klar mögt ihr Musik. Aber geht ihr noch hin? In die großen Hallen? 120 Euro Ticket, Gitarrist sieht man kaum, Sound ist Glückssache – mal Gänsehaut, mal Matsch oder Bass-Terror. Dazu Anfahrt, Parken, Schlange stehen, 8 Euro für ein Bier, das keiner trinken will, und ein halbes Publikum, das den Abend durch ein Handydisplay erlebt. Und am nächsten Tag um sechs wieder aufstehen.
Ich weiß nicht, wie es euch geht – aber mich beschäftigt das. Nicht weil ich was gegen Live-Musik hätte. Im Gegenteil. Sondern weil ich das Gefühl habe, dass das eigentliche Erlebnis irgendwo auf dem Weg verloren geht. Zwischen Ticketmaster und Merch-Stand. Zwischen PA-Brei und Parkhaus. Und dass die Musik, die wirklich reingeht – die passiert woanders. In kleinen Clubs. In Proberäumen. Auf Sessions. Bei Workshops. Da, wo der Amp drei Meter entfernt steht und man hört, was wirklich passiert.
Wisst ihr, wer genau so gespielt hat? Freddie King. Dazu gleich mehr.
Drei Sachen, die mir diese Woche aufgefallen sind:
Mateus Asato hat sein Debütalbum rausgebracht. Endlich. Der Brasilianer hat jahrelang als Sideman bei Bruno Mars und Silk Sonic gespielt, und jetzt kommt „ASATO“ – 15 Tracks, rein instrumental, keine Vocals. Ein Stück heißt „Hendrix“, entstanden in 20 Minuten, weil er sich nachts im Studio gefragt hat: Wie würde Hendrix heute ein Instrumental schreiben? Jahrelang hat man ihm gesagt, Instrumentalmusik sei „unvollständig“ ohne Gesang. Zehn Jahre hat er gebraucht, um zu sagen: Quatsch. Das Album ist seine Antwort. Und ehrlich – allein dafür hat sich das Warten gelohnt.
Joe Bonamassa sammelt keine Gitarren mehr. Also, sagen wir: er versucht es. Der Mann hat über 600 Gitarren und 500 Amps in seinem Privatmuseum in L.A. Die Waldbrände Anfang 2025, als er alles evakuieren musste, haben wohl was ausgelöst. Er sagt, er habe Koffer aufgemacht und sich nicht mehr erinnern können, wann und wo er das Zeug gekauft hat. Und dann sagt er noch: „Wenn du nicht aufhören kannst, die Gitarre in die Hand zu nehmen, ist es egal, was auf der Kopfplatte steht.“ Da hat er recht. Wobei – und das muss man dazusagen – wer eine vernünftige Marke kauft, bekommt beim Wiederverkauf sein Geld zurück. Bei Billigmarken passiert das nie. Spielt, was sich gut anfühlt. Aber kauft auch klug.
Die Rock and Roll Hall of Fame hat ihre Nominierten für 2026 bekanntgegeben. 17 Stück. Iron Maiden ist zum dritten Mal dabei. Jeff Buckley zum ersten Mal – posthum, fast 30 Jahre nach seinem Tod. Oasis, Black Crowes, Billy Idol. Aber eben auch Mariah Carey (zum dritten Mal), Shakira, Wu-Tang Clan und PINK. Und da wird’s interessant – oder traurig, je nachdem, wie man’s sieht: Auf einer Liste, die „Rock and Roll Hall of Fame“ heißt, sind mittlerweile mehr Pop-Acts als Gitarrenbands. Iron Maiden wartet seit 22 Jahren. Jeff Buckley – ein Mann, eine Telecaster, ein Album – ist fast vergessen worden. Und dann feiert die Hall of Fame die „sich wandelnden Gesichter des Rock’n’Roll“. Klingt nett. Heißt übersetzt: Rock wird in seiner eigenen Ruhmeshalle an den Rand geschoben. Denkt mal drüber nach.
Freddie King.
Freddie hat in den 70ern fast 300 Tage im Jahr gespielt. Nicht in Arenen. In Clubs. Im Armadillo World Headquarters in Austin – ein Schuppen, den sie danach „das Haus, das Freddie King baute“ nannten. Eine Gibson ES-345, ein Fender Quad Reverb auf Anschlag, Publikum auf drei Meter. So klingt Blues, wenn nichts dazwischen ist.
Ohne diesen Mann hätte Clapton nie eine Les Paul in die Hand genommen. Hätte es die Bluesbreakers nicht gegeben. Kein Peter Green, kein Fleetwood Mac, kein Mick Taylor bei den Stones. Die komplette britische Blues-Rock-Welle kam von den Platten eines Texaners, den heute kaum jemand kennt. Clapton sagt: „Er hat mir alles beigebracht.“ Das ist nicht irgendwer – das ist Eric Clapton. Über einen Mann, der bei den meisten von euch wahrscheinlich nie aufgetaucht ist. Das sollte sich ändern.
Den ausführlichen Freddie-King-Artikel mit Spieltipps, Equipment und Übungsroutine findet ihr am Ende der Newsletter.
Workshops 2026 – meldet euch an.
Nicht „vielleicht irgendwann“. Jetzt. Die Plätze sind begrenzt und wer schon mal dabei war, weiß: Nach diesen Wochenenden ändert sich was. Nicht „war ganz nett“ – sondern wirklich was.
02./03. Mai – „Spielen wie Jimi: Das Hendrix-Prinzip“ – Rhythmus und Lead gleichzeitig. Nicht abwechselnd. Gleichzeitig. Hendrix hat bei „Little Wing“ in zweieinhalb Minuten mehr gesagt als andere in einem Album. Wenn du wissen willst, wie das funktioniert und wie du das in dein Spiel kriegst – das hier ist der Weg.
04./05. Juli – Gitarrencamp 2026 – Du übst, du kommst voran, aber irgendwas klebt fest. Du weißt nicht genau, was. Kennen wir alle. Das Camp ist dafür da: zwei Tage, echtes Feedback, jemand steht neben dir und sagt: „Da – genau da verlierst du den Groove.“ Kein YouTube-Tutorial der Welt kann dir das ersetzen.
12./13. September – „Rock-Klassiker Live“ – Mal ehrlich: Wie oft spielst du allein zum Backing Track? Macht Spaß, klar. Aber es ist nicht dasselbe. Hier spielst du mit echten Leuten, machst echte Fehler, und die Songs fangen an zu leben. Genau wie bei Freddie – raus aus dem Wohnzimmer, rein in die Band.
Alle Infos und Anmeldung: www.vip-guitar.de/workshops
Außerdem diese Woche:
Donnerstag, 06.03.2026 um 17:00 Uhr – „Frag Horst“, Staffel 10, Episode 03. Bringt mit, was euch beschäftigt. Technik, Sound, Üben, Bühne, Band – dafür ist die Runde da.
Dazu der neue Hendrix-Teil: Balladen, Double Stops, Slides, Hammer-ons. Weniger Sprint, mehr Gesang. Und das Klassikvideo über Modulationseffekte – Phaser, Chorus, Tremolo. Die Kategorie, die entscheidet, ob ein Part flach klingt oder anfängt zu atmen.
Schreibt mir zur Konzertfrage. Arena oder Club? Was wiegt bei euch am stärksten – Preis, Sound, oder das ganze Drumherum?
Keep on playing und halte die Gitarre am Leben!
Euer Horst
Nächstes Livevideo: Donnerstag, 05.03. um 17:00 Uhr: Gitarre live: „Frag Horst S10 EP.03 „Frage & Antwortrunde

In unserer monatlichen Q&A-Session stehen Eure Fragen rund um die Gitarre im Mittelpunkt! Egal, ob Spieltechnik, Equipment, Sounds, Livemusik oder Tipps zum Gitarre spielen – hier bleibt keine Frage unbeantwortet. Nutze die Live-Runde für alles, was dich zum Thema Gitarre bewegt und interessiert. Ich freue mich auf deine Fragen.
Letztes Livevideo:

Spiele wie Jimi Hendrix – Riffs & Licks (Teil 4)
In der vierten Folge unserer Hendrix-Serie verlassen wir den perkussiven Blues-Groove und tauchen ein in die atmosphärische, fast schon zerbrechliche Welt seiner Balladen. Wenn Jimi Hendrix in E-Dur spielte, verwandelte er die Gitarre in ein Orchester. Es ist dieser fließende Stil, den wir von Klassikern wie „The Wind Cries Mary“ oder „Little Wing“ kennen, bei dem Akkorde und Melodielinien so organisch ineinandergreifen, dass man sie nicht mehr trennen kann.
Heute lernst du, wie du durch den gezielten Einsatz von Double Stops, Slides und Hammer-ons diese magische, singende Qualität in dein Spiel bringst. Es geht weniger um technische Schnelligkeit als vielmehr um das Bewusstsein für Phrasierung und den Mut zur Pause.
Klassikvideo der Woche:

Modulationseffekte: Phaser, Chorus, Tremolo & Co. – Die Magie der Bewegung im Sound
Nachdem wir uns bereits intensiv mit Delays und Verzerrern beschäftigt haben, widmen wir uns heute einer der faszinierendsten Gruppen in der Signalkette: den Modulationseffekten. Während Verzerrer für den Schmutz und Delays für den Raum sorgen, bringt Modulation Leben, Bewegung und Textur in dein Spiel. Ob es das schwebende Leuchten eines 80er-Jahre-Chorus ist oder das psychedelische Wirbeln eines Univibes – Modulation entscheidet oft darüber, ob ein Gitarrenpart statisch wirkt oder den Hörer förmlich einsaugt.
In diesem Video schauen wir uns die Geschichte dieser Effekte an (inklusive Leo Fenders berühmter Namensverwechslung), analysieren die wichtigsten Klassiker und klären die entscheidende Frage: Vor oder nach dem Verstärker platzieren?

Freddie King – der Patriarch des Blues-Rock (umfangreicher Artikel PDF)
Er bestellte sich als Sechsjähriger eine Roy-Rogers-Gitarre auf das Konto seiner Mutter – ohne zu fragen. Er schmuggelte sich mit 16 in einen Chicagoer Bluesclub und setzte sich einfach zu Howlin‘ Wolfs Band. Und er nahm 1960 ein Instrumental auf, das eine ganze Generation britischer Gitarristen dazu brachte, sich eine Les Paul zu kaufen und den Blues zu lernen. Freddie King machte alles mit einer Direktheit, die keinen Widerspruch duldete: ein Plastik-Daumenpick, ein Metall-Fingerpick, ein aufgedrehter Verstärker – Stahl auf Stahl.
Frederick Christian – genannt Freddie King, „The Texas Cannonball“ – ist der am meisten unterschätzte der drei Kings des elektrischen Blues. Er ist der Mann, ohne den Eric Clapton nie zur Gitarre gegriffen hätte, ohne den es John Mayalls Bluesbreakers, Peter Greens Fleetwood Mac und Mick Taylors Rolling-Stones-Phase nicht gegeben hätte. Rolling Stone setzte ihn auf Platz 15 der größten Gitarristen aller Zeiten. Rock and Roll Hall of Fame seit 2012, Blues Hall of Fame seit 1982. „Hide Away“ brachte das Blues-Instrumental in die Pop-Charts. „Going Down“ wurde zur Blues-Rock-Hymne. Und Eric Clapton sagte über ihn: „Er hat mir so ziemlich alles beigebracht, was ich wissen musste.“ Freddie King erfand den Blues-Rock – fünf Jahre bevor die Briten ihn für sich entdeckten.
Die Prinzipien von Freddie King:
- Stahl auf Stahl – der perkussive Attack (die Waffe des Texas Cannonball): Freddie spielte mit einem Plastik-Daumenpick und einem Metall-Fingerpick am Zeigefinger. Der Daumen hämmerte die Basssaiten, der Metallfinger peitschte die hohen Saiten. Das Ergebnis war ein scharfer, beißender Ton, der sich durch jede Band schnitt wie ein Messer. Kein Effektpedal, kein Trick – nur Finger und Stahl.
- Der Stop-Time-Break – die Kunst der Lücke (Freddies Markenzeichen): In „Hide Away“ passiert etwas Magisches: Die Band hört auf zu spielen, nur ein Schlag auf die Eins, dann Stille – und Freddie füllt die Lücke mit einer kurzen, präzisen Phrase. Die Spannung entsteht nicht durch Noten, sondern durch deren Abwesenheit. Lektion: Backing Track in E, Shuffle bei 140 BPM. Programmiere vier Takte normalen Shuffle, dann zwei Takte Stop-Time (nur Kick auf 1). Fülle die Lücke mit maximal 4–6 Noten aus der E-Moll-Pentatonik. Die Pause vor dem Einsatz ist genauso wichtig wie die Noten selbst.
- Bläserlinien auf der Gitarre – Melodie statt Geläuf (der Louis-Jordan-Trick): Als Kind spielte Freddie die Saxophon-Soli von Louis Jordan Note für Note auf der Gitarre nach. Das Ergebnis: Seine Instrumentals klingen nicht wie Gitarrenstücke – sie klingen wie Bläsersätze. „Hide Away“ und „San-Ho-Zay“ sind im Grunde Horn-Melodien, gespielt auf sechs Saiten. Lektion: Nimm dir ein Saxophon- oder Trompetensolo aus einem Jazz- oder Jump-Blues-Stück und spiele es auf der Gitarre nach. Achte darauf, wie Bläser phrasieren: kurze Töne, klare Pausen zum Atmen, melodische Bögen statt pentatonischer Ketten. Das trainiert melodisches Denken.
- Texas-Swagger (Prahlerei) trifft Chicago-Punch (die Fusion zweier Welten): Freddie war ein Texas-Junge, der in Chicago aufwuchs. Sein Spiel vereinte den offenen, swingenden Country-Blues aus Texas mit dem aggressiven, komprimierten Sound der Chicagoer West Side. Dieses Hybrid war einzigartig – und der Grund, warum sein Sound moderner klang als alles, was seine Zeitgenossen spielten.
- Weniger Noten, mehr Aussage – die Ökonomie des Meisters (der Mut zur Kürze): Freddie spielte selten mehr als sechs bis acht Noten pro Phrase. Dann Pause. Dann die nächste Aussage. Seine Soli waren keine Läufe – sie waren Sätze. Jede Note hatte eine Funktion, jede Pause einen Grund. Lektion: Spiele ein Solo in E – aber erlaube dir nur drei Töne: E, G und A. Bilde daraus vollständige musikalische Sätze. Phrase – zwei Schläge Pause – Phrase. Wenn es sich nach Musik anfühlt und nicht nach Übung, hast du verstanden, was Freddie King ausmachte.
Essenz für dein Spiel: Freddie King bewies, dass die Brücke zwischen Blues und Rock keine Kompromisse braucht. Er war authentischer Blueser und härtester Rocker gleichzeitig – ohne sich für eine Seite entscheiden zu müssen. Er brauchte keine Effektpedale, keine alternativen Stimmungen, keine komplizierte Harmonik. Ein Mann, eine Gibson ES-345, ein aufgerissener Fender Quad Reverb. Seine Botschaft: Schlage hart an.
Spiele kurze, prägnante Phrasen. Lass die Pausen arbeiten. Und vergiss nie – ein einziges Instrumental, gespielt mit absoluter Überzeugung, kann die gesamte Rockgeschichte verändern.
Unbedingt anschauen:
| Titel | Warum anschauen? |
| Freddie King – Going Down (Live, 1972) | Die definitive Live-Version; zeigt seine Energie und Bühnenpräsenz |
| Freddie King – Hide Away (Live, Dallas) | Der Klassiker live; perfekte Stop-Time-Breaks |
| Freddie King – The Beat TV (1966) | Seltenes TV-Footage; früher Live-Sound |
| The Three Kings of Blues Guitar | Vergleich mit B.B. und Albert King; Kontext |
| Freddie King – Burglar Sessions | Zusammenarbeit mit Clapton im Studio |
| Eric Clapton – From the Cradle (Live) | Claptons Hommage; I’m Tore Down, Have You Ever Loved a woman |
Lernmaterial (Auswahl):
- I’m Tore Down – Freddie King / Eric Clapton
- Blues – Freddie King Lick
- Hideaway – Blues-Gitarrenstunde
Für weiteren Input: https://soundcloud.com/horstkeller
🎸 15. August 2026 – Save the Date: 7. VIP-Guitar Treffen
Das legendäre VIP-Guitar Treffen geht in die siebte Runde! Musik, Jam-Sessions, gute Gespräche und die einzigartige Atmosphäre, die dieses Event jedes Jahr zu einem Highlight macht. Den Termin solltest du dir jetzt schon freihalten! Anmeldungen direkt bei Jörg Noll.
02.2026 – Helix Stadium Presets – VIP-Guitar Edition 1

10 handgefertigte Premium-Presets für den Line 6 Helix Stadium – optimiert mit den neuen Agoura-Modellen für maximale Authentizität, Dynamik und Bühnenpräsenz.

Die besten Plektren: VIP-Guitar Plektren
Aktueller Kurs: Chord Knowledge – Sebastian Minet
Wenn du bereit bist, tiefer in die Harmonik einzutauchen, das Akkordspiel zu verstehen und auf ein neues Level zu heben – dann findest du hier genau das, was du benötigst.
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Ich wünsche dir, dass du jeden Tag ein klein bisschen #besser wirst.

Viel Freude mit der Gitarre
Horst Keller
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P. S.: Nutze die Gelegenheit und schreibe mir. Sende mir deine Fragen, Wünsche, Ideen, Anregungen hier.
Die Workshops 2026:
02./03. Mai 2026 – „Spielen wie Jimi – Das Hendrix-Prinzip“
04./05. Juli 2026 – Gitarrencamp 2026: Dein Wochenende für echten Fortschritt
12./13. September 2026 – Rock-Klassiker Live: Lerne sie, spiele sie mit Band
Onlineshop:
NEU: 02.26 – Line 6 Helix Stadium – VIP-Guitar Edition 1
NEU: 12.25 – Chord Knowledge – Sebastian Minet
NEU: 11.25 – Helix Songpresets VOL.2
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