VIP-Guitar News · WO40 / 2026
Was eine zweite Runde verdient
Mein Blick auf den Guitar Summit, Frag Horst am Donnerstag, zwei besondere Schülerauftritte, Don’t Stop Believin’, Neal Schon und zehn vollständige Songwelten für Helix Stadium.
Liebe Gitarrenfreunde, liebe VIP-Guitar Community,
am Kloppmann-Stand auf dem Guitar Summit saß ich fast eine halbe Stunde vor dem BluGuitar AMP X. Ich hatte Kopfhörer auf, eine Gitarre in der Hand und keinen Grund, nach zwei Minuten schon zum nächsten Stand weiterzugehen. Was ich hörte, klang wirklich sehr gut.
Trotzdem ist mein Urteil noch nicht fertig. Ich möchte den AMP X über seine Boxen erleben und bei einer Lautstärke spielen, bei der Anschlag, Amp und Lautsprecher als Einheit reagieren. Erst dann weiß ich, was dieses Gerät für mich musikalisch leisten kann.
Dieser Maßstab zieht sich durch die ganze Ausgabe. Er gilt für neue Geräte, für einen Song, für einen Gitarrenton und auch für das eigene Üben. Die erste Begegnung macht neugierig. Die zweite zeigt, ob Substanz dahintersteckt.
Guitar Summit: Was nach der Messe bleibt

Die Stimmung in Mannheim war wie immer sehr gut. Man konnte sich in Ruhe unterhalten, bekannte Gesichter treffen und neue Kontakte knüpfen. Schüler, Händler, Firmeninhaber, Musiker, Kollegen und Freunde aus der Musikindustrie kamen an einem Wochenende zusammen.
Mehr als 600 Marken auf vier Ebenen sind eine Ansage. Beim ersten Besuch kann man sich in dieser Dichte aus Gitarren, Amps, Effekten, Vorführungen und Konzerten leicht verlieren. Wer seit Jahrzehnten beruflich mit Gitarren arbeitet, geht anders durch die Hallen. Mich interessieren die wenigen Dinge, bei denen ich stehen bleibe, eine Gitarre in die Hand nehme oder ein Gespräch länger dauert als geplant.
Besonders gefreut habe ich mich über Thomas Blug. Nach vielen Jahren Entwicklungsarbeit ist sein AMP X endlich am Start. Bei seiner Präsentation standen die Besucher dicht gedrängt und hörten über Kopfhörer zu. Das Interesse war enorm.

Bei Ibanez ist mir außerdem die TOD100FMN-TMM aufgefallen. Die flache Nylongitarre macht mit ihrer ungewöhnlichen Bauform sofort neugierig. Mehr möchte ich vor einem richtigen Test nicht behaupten. Mich interessieren Halsgefühl, direkte Ansprache und die Frage, ob das Instrument auch ohne Messelicht und Verstärkung überzeugt.
Bei Keipro-Gitarren habe ich mich mit Fabian Ratsak unterhalten. Dazu kamen viele weitere Begegnungen, Instrumente und Geräte. Drei Messetage reichen nicht, um alles sinnvoll einzuordnen. Für mich geht es deshalb jetzt um Auswahl. Was möchte ich unter kontrollierten Bedingungen noch einmal hören? Welches Instrument verdient einen ausführlichen Test? Welches Gespräch führt zu einem neuen Lernweg?
Wenn du selbst durch die Messe gehen möchtest, findest du bei Gitarre & Bass die Tagesberichte und im offiziellen Show Report Videos und Fotos.
Donnerstag live: mein Fazit und eure Gitarrenfragen

Am Donnerstag zeige ich euch, was mich in Mannheim interessiert hat, was ich selbst gespielt habe und welche Geräte ich noch einmal unter kontrollierten Bedingungen testen möchte. Danach geht es um eure Fragen zur Gitarre.
Eine hilfreiche Frage enthält vier Informationen:
Notiere dir deine Frage am besten vorher. Im Livechat bleibt sie dann klar und lässt sich musikalisch konkret beantworten.
Sultans of Swing und Blackbird: zwei Wege durch einen Song

Jannis Langhorst spielt Sultans of Swing mit Backingtrack. Die Wirkung entsteht aus kurzen Dreiklängen, Antworten zwischen den Gesangszeilen, kleinen Fills und dem Wechsel zwischen Begleitung und Lead. Ab 42:14 nehmen wir diese Bausteine auseinander. Bei 1:06:30 zeige ich an einer schnellen Linie die Economy-Picking-Bewegung: runter, hoch, runter, runter.
Tim Blesing singt und spielt Blackbird allein auf der Akustikgitarre. Ab 29:27 zeigt er den Anfang im Detail. Bass und hohe Saite werden gemeinsam angeschlagen, dazwischen liegt ein einzelner Ton. Die Bewegung der rechten Hand bleibt über weite Strecken bestehen, während die linke Hand neue Griffbilder setzt.
Du musst die gesamten 78 Minuten nicht am Stück ansehen, bevor du die Gitarre nimmst. Diese fünf Stellen führen direkt in die Musik:
Wenn du heute etwas daraus spielen möchtest, wähle genau eine Bewegung. Bei Blackbird kann es das Zupfmuster auf einer Griffposition sein. Bei Sultans of Swing nimmst du einen Dreiklang, ein Fill oder die Pickingfolge. Nach wenigen Minuten weißt du, welche Bewegung du wiederholen musst und woran du sie hörst.
Don’t Stop Believin’: Melodie vor Geschwindigkeit

Don’t Stop Believin’ gehört zu meinen absoluten Lieblingssongs. Die Akkordfolge ist überschaubar, doch die Gitarrenarbeit hat mehrere klar getrennte Aufgaben.
Gleich am Anfang setzt Neal Schon sein großes Lead-Lick über den Song. Im Kurs ist das die erste wirkliche Hürde. Der Klang ist breit, das Echo trägt die Noten, und die Bewegung muss sauber bleiben. Deshalb zeige ich auch eine einfachere Variante. Wenn der vollständige Wechselschlag noch nicht funktioniert, kannst du Pull-Offs nutzen und die Melodie erhalten.
Später wechseln offene Akzente mit palm-gemuteten Achteln. Dreiklänge, Hooklines und kleine Übergänge liegen über dem Rhythmus. Die fünf Akkorde E, H, Cis-Moll, A und Gis-Moll tragen die Form. Den bekannten Aufnahmecharakter erzeugt das Zusammenspiel der Gitarrenstimmen.
Im Solo gilt dieselbe Reihenfolge: Melodie, Zielton, Bending und Vibrato kommen zuerst. Für die vereinfachte Fassung lässt du schnellen Auftakt und Tapping zunächst weg. Puls, Harmonie und Melodie bleiben erhalten.
Neal Schon: Zuhören, Melodie, Ton und Vibrato

Neal Schon war noch ein Teenager, als er innerhalb von zwei Tagen zwei Angebote erhielt: eines von Eric Clapton für Derek and the Dominos, eines von Carlos Santana. Er entschied sich für Santana.
Dort stand die Gitarre in einem Geflecht aus Bass, Schlagzeug, Hammondorgel, Congas und Timbales. Schon musste auf die anderen Musiker reagieren. Einen starken Puls verstand er als stabil und lebendig zugleich.
Ein weiterer Einfluss kam von Aretha Franklin. Schon übertrug ihr Vibrato und ihre Bluesverzierungen auf die Gitarre. Ein gesungener Ton beginnt, erreicht seine Höhe, verändert seine Farbe und endet bewusst. Genau das lässt sich auf einen Gitarrenton übertragen.
Bei Journey verteilte er seine Stimmen um Steve Perrys Gesang und Jonathan Cains Klavier und Synthesizer. Don’t Stop Believin’ zeigt das besonders deutlich. Die Gitarre ergänzt, antwortet und bereitet den großen Refrain vor.
Sein eigener Rat ist knapp: The first thing they should do is pay attention, listen.
An anderer Stelle sagt er: Focus on melody, tone and vibrato.
- Vereinfache das Intro-Lick. Spiele zuerst nur die tragenden Töne. Ergänze den schnellen Auftakt später oder nutze Pull-Offs.
- Kontrolliere ein Ganzton-Bending. Spiele den Zielton zuerst normal. Greife danach zwei Bünde tiefer und ziehe exakt zu dieser Höhe.
- Lass das Vibrato später beginnen. Halte einen Ton vier Schläge. Die ersten beiden bleiben gerade, auf Schlag drei beginnt das Vibrato.
- Plane Anfang und Ende eines Solos. Lege die erste und die letzte Phrase fest. Der Schluss landet bewusst auf einem Akkordton.
- Lerne eine Melodie exakt. Verändere sie erst dann. So hörst du, welche Note die Phrase wirklich trägt.
Das Neal-Schon-Magazin
Aus der Recherche ist ein 27-seitiges VIP-Guitar-Magazin entstanden. Es führt von den frühen Angeboten über Santana, Steve Perry, Jonathan Cain und Arnel Pineda bis zu Schons Instrumenten, Verstärkern und Spielweise. Darin stehen zehn konkrete Spiellektionen und zehn Aufnahmen mit klaren Studieraufträgen.
Die Veröffentlichung ist noch nicht freigegeben. Wir prüfen die Fassung gemeinsam, bevor ein Download öffentlich angeboten wird.
Helix Stadium Edition 4: zehn vollständige Songwelten

Diese Presets sind für vollständige Songs gebaut. Ein Grundsound reicht dafür nicht. Bei Comfortably Numb braucht das erste Solo eine andere Wärme als das zweite. Still of the Night wechselt zwischen Rhythmus, breitem Lead, trockenem Riff, Solo-Boost und großem Outro. Black Velvet verlangt eine dunkle Rockebene, eine akustische Fläche und ein Solo mit deutlich mehr Raum.
Die zehn Presets wurden am echten Helix Stadium final gespeichert. Ihre Snapshots decken die Sounds für die jeweiligen Songabschnitte ab.
Die komplette Edition mit zehn Song Presets kostet 55,00 Euro.
Wenn dir diese Arbeit weiterhilft
Hinter den Lektionen, Livestreams, Presets und dem Gitarristenporträt stehen viele Stunden Arbeit und mehr als 45 Jahre Erfahrung mit Musik, Unterricht und Bühne.
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Welches Gerät soll ich zuerst ausführlich testen?
Und worauf soll ich dabei besonders achten?
Schreib mir deine Frage. Ich nehme sie mit in den Livestream oder in einen späteren Test.
Ich freue mich auf Donnerstag und auf eure Fragen.
Viel Freude beim Spielen. Haltet die Gitarre am Leben!
Euer Horst
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