Peter Green · Fleetwood Mac · Oh Well Part 1

Oh Well auf der Gitarre: Das Riff lebt zwischen Anschlag und Stille.

Die Töne sind nicht das eigentliche Problem. Anspruchsvoll wird Oh Well dort, wo Hammer-ons und Pull-offs in gepickte Noten übergehen, synkopierte Upstrokes sofort gestoppt werden und vier ähnliche Motive trotzdem unterschiedlich bleiben. Horst zerlegt das Riff so, dass rechte und linke Hand denselben Puls finden.

SongteilOh Well Part 1
StimmungStandardstimmung
Tempo der Ausarbeitung102 BPM
Live-ArrangementZwei Gitarren ideal

Komplette Videolektion

43:46 Minuten für Riff, Arrangement, Solo und Sound.

Horst konzentriert sich bewusst auf Part 1. Er arbeitet drei Gitarrenspuren der Aufnahme durch, zeigt die live spielbare Reduktion und nimmt sich besonders viel Zeit für die rechte Hand. Dadurch wird hörbar, warum ein scheinbar kleines Blues-Rock-Motiv so viel Kontrolle verlangt.

Dein erster Auftrag: Spiele nur das kurze Hammer-on/Pull-off-Motiv und den E-Powerchord. Der Akkord wird mit Aufschlag getroffen und sofort mit beiden Händen gestoppt. Erst wenn Ton und Pause gleich präzise sind, geht es weiter.

Der Hauptriff in vier Bausteinen

Ähnliche Motive müssen als eigene Bewegungen im Gedächtnis landen.

Oh Well beginnt mit wenigen Tönen aus der offenen E-Moll-Welt. Die Schwierigkeit entsteht durch kleine Änderungen. Mal trägt das Legato die Bewegung, mal übernimmt das Plektrum, mal fällt der E-Powerchord auf einen synkopierten Aufschlag. Wer alles als ein langes Muster speichert, verwechselt genau diese Übergänge.

Legato öffnen

Starte mit der offenen Saite, dem Hammer-on zum dritten Bund und dem Pull-off zurück. Die linke Hand erzeugt die Bewegung ohne zusätzliche Anschläge.

E-Powerchord setzen

Der Akkord kommt als Aufschlag. Direkt danach endet der Klang. Rechte Handkante und linke Hand teilen sich die Kontrolle.

Varianten trennen

Die folgenden Takte ähneln sich, beginnen aber nicht identisch. Übe jede Variante einzeln und benenne ihren Anfang.

Ins Picking wechseln

Die Schlussfigur verlässt das flüssige Legato und wird vollständig gepickt. Genau hier darf die rechte Hand nicht aus dem Puls springen.

Upstrokes, Stopps und punktierte Rhythmik

Die rechte Hand entscheidet, ob das Riff nur korrekt oder wirklich lässig klingt.

Horst weist immer wieder auf die synkopierten Aufschläge hin. Der Bewegungsfluss läuft weiter, auch wenn nicht jeder Weg der Hand einen Ton erzeugt. So entsteht ein inneres Pendel. Die Stille ist dabei kein Leerlauf, sondern ein exakt platzierter Teil des Grooves.

1. AnschlagDer Aufschlag trifft den E-Powerchord aus der laufenden Handbewegung.
2. Doppelter StoppDie rechte Handkante dämpft, die linke Hand nimmt gleichzeitig den Druck aus dem Griff.
3. Puls bleibtDie Hand führt die Bewegung weiter, damit der nächste Ton nicht neu gestartet werden muss.
Crescendo ohne Hektik: Die Folge aus punktierter Achtel, Sechzehntel und punktierter Achtel baut Spannung auf. Übe zuerst die Abstände, danach Lautstärke und Steigerung.

Aufnahme und Live-Fassung

Zwei Gitarren sind live die klare Lösung.

In der Aufnahme liegen mehrere Overdubs übereinander. Eine Gitarre hält den Hauptriff, weitere Stimmen ergänzen Double Stops, Sexten, Läufe und gedoppelte Akzente. Horst empfiehlt für die Bühne zwei Gitarren. So bleibt das rhythmische Fundament stabil, während die zweite Stimme die charakteristischen Antworten übernimmt.

  • Gitarre 1: Hauptriff, Strophenmotor und klare Stopps.
  • Gitarre 2: Double Stops, Sextenlauf, Solo und ausgewählte Verdopplungen.
  • Allein gespielt: Der Hauptriff bleibt Pflicht. Ergänzungen werden ausgewählt, nicht gleichzeitig hineingezwängt.
Beobachtungsauftrag: Achte im historischen Live-Mitschnitt auf die kleine Bewegung der rechten Hand. Die Lockerheit entsteht nicht durch weniger Präzision, sondern durch eine Bewegung, die den Puls nie verlässt.

Externes YouTube-Video aus dem bisherigen Beitrag. Direkt auf YouTube öffnen.

Form, Taktwechsel und Soloraum

Der Song bleibt in E-Moll, die Rollen wechseln.

Horsts Ausarbeitung ordnet das Stück in Intro, Verse, Interlude, Solo, Verse und Outro. Vor dem Solo erscheint ein 5/4-Takt. Der zusätzliche Schlag ist kein theoretischer Sonderfall zum Abhaken, sondern der Übergang, der den Aufgang sauber in die neue Form bringt.

Aufgang

Position 5 vorbereitet

Vor dem Solo führt ein aufsteigender Lauf durch die fünfte Position der E-Moll-Pentatonik. Der 5/4-Takt gibt ihm den nötigen Raum.

Solo

Position 4 oder 1

Horst zeigt, dass dieselbe musikalische Idee in der vierten oder ersten Position gespielt werden kann. Entscheidend sind Phrasierung und rhythmischer Bezug zur Band.

Outro

Riffs bündeln, Flageoletts setzen

Am Ende kehren zentrale Motive zurück. Die Schlussakkorde mit Flageoletts wirken nur, wenn der rhythmische Ablauf davor stabil bleibt.

Direkte Kapitel im Tutorial

Springe genau zu der Stelle, an der deine Bewegung stockt.

Konkreter Übeplan

Fünf Schritte vom Bewegungsfragment zum vollständigen Riff.

Oh Well belohnt keine hektischen Komplettdurchläufe. Die vier Varianten müssen einzeln klar sein, bevor sie als Kette funktionieren. Nimm ein Tempo, in dem du Anschlagrichtung und Stopp noch bewusst kontrollieren kannst.

Arbeite in kurzen Schleifen: zunächst nur Legato und E-Powerchord, dann jede der vier Varianten, zuletzt der Wechsel ins vollständig gepickte Schlussmotiv. Wiederhole nicht den ganzen Song, wenn nur eine Verbindung stockt.

Dein Prüfpunkt ist die Stille. Nach dem synkopierten Aufschlag darf der Akkord nicht weiterklingen. Bleibt die rechte Hand trotzdem locker im Puls, kannst du zwei Motive verbinden. Entsteht Hektik, gehst du einen Schritt zurück und nimmst Tempo heraus.

  1. Legato isolieren: Spiele Hammer-on und Pull-off ohne Akkord. Jeder Ton soll gleichmäßig tragen.
  2. Aufschlag und Stopp koppeln: Setze nur den E-Powerchord und beende ihn sofort mit beiden Händen.
  3. Vier Motive benennen: Übe jede Variante separat. Beginne erst dann mit zwei verbundenen Takten.
  4. Picking-Übergang sichern: Wiederhole ausschließlich die Stelle, an der Legato in gepickte Einzeltöne wechselt.
  5. Form und Dynamik ergänzen: Spiele Intro, Interlude und Soloübergang. Erst jetzt kommen Crescendo, zweite Gitarre und eigene E-Moll-Phrasen hinzu.

Für VIP-Guitar Premium-Member

Notation und Guitar-Pro-Material zu Oh Well

Horsts Ausarbeitung zeigt den vollständigen Ablauf mit Intro, Verse, Interlude, Solo, Outro, Artikulationen und Taktwechsel. Nutze die Notation als Landkarte und das Video für Anschlagrichtung, Dämpfung und musikalische Gewichtung.

Wenn der Downloadlink nicht erscheint, melde dich mit deinem aktiven Premium-Konto an. Hinweise findest du auf der Premium-Member-Seite.

Klang und sinnvolle Ergänzungen

Plexi-Grundsound für das Riff, E-Moll-Vokabular für das Solo.

Für seine Lektion verwendet Horst ein Plexi-Marshall-Modell und eine Gitarre vom Paula-Typ. Der Klang bleibt warm genug für die scharfen Aufschläge und reagiert deutlich auf Dynamik. Die folgenden Angebote sind passende Arbeitsmittel, aber weder historische Peter-Green-Rekonstruktionen noch fertige Oh-Well-Songpresets.

Line 6 Helix Stadium

Plexi 2026

Eine direkte Classic-Rock-Klangbasis für dynamische Riffs, Probe und Bühne. Anschlag, Gitarre und Abhöranlage bleiben entscheidend für das Ergebnis.

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Improvisation und Phrasierung

10 Blues Phrasen

Zehn übertragbare Phrasen als Ergänzung zur freien Arbeit in E-Moll. Der Kurs erklärt Vokabular, ersetzt aber nicht die Songanalyse dieser Lektion.

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Gezielt weiterlernen

Peter Green, Legato und E-Moll direkt vertiefen.

Timing wird im Zusammenspiel hörbar.Auf der Workshop-Seite findest du aktuelle VIP-Guitar-Treffen, Camps und Workshops.
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Der entscheidende Maßstab

Das Riff sitzt erst, wenn die Pausen ebenso zuverlässig sind wie die Töne.

Beginne mit einem Legato-Motiv und einem einzigen gestoppten Aufschlag. Wenn diese Verbindung flüssig bleibt, kommen die Varianten, das Crescendo und schließlich die zweite Gitarrenstimme hinzu. So wächst Oh Well aus einer Fingerbewegung zu einem vollständigen Arrangement.

„Achte darauf, dass du den Riff richtig gut spielen kannst, dass du ihn flüssig hinbekommst und vor allen Dingen lass dir Zeit.“Horst Keller

Danke, dass du dir für diese Lektion Zeit nimmst. Spiele heute nicht den ganzen Song. Nimm die ersten beiden Takte, höre auf jeden Aufschlag und kontrolliere jede Stille. Genau dort beginnt die Lockerheit, die dieses Riff trägt.

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4 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Hallo Horst,
    habe den Kurs „Sologitarre Spielen wie dei Profis“ durchgearbeitet, muss aber noch einiges trainieren, ich finde das genial, wie du es aufgebaut und rübergebracht hast. Es hat mir sehr viel gebracht. Mir ist auch aufgefallen, dass du in den neueren Videos über einen Pod Stomp spielst. Ist Dein Helix kaputt? Der Stomp hat, was ich so höre auch einen guten Sound.
    Will mir auch dein „Oh Well reinziehen. Glaube da sind Grenzen, die ich noch überwinden musss (will).

    Viele Grüße aus Freiburg und bleibt gesund.
    Axel Dreier

    Antworten
    • Horst Keller
      24. Mai 2021 23:22

      Hallo lieber Axel, herzlichen Dank für dein Feedback, das freut mich sehr. Den Helix Stomp habe ich mir nur ausgeliehen, um einige neuen Presets zu programmieren. 🙂 Oh Well ist ein echter Klassiker, da brauchst Du Geduld und viele Wiederholungen. Liebe Grüße und viel Erfolg! Horst

      Antworten
  • Uli der Feierabendklampfer
    29. März 2025 20:24

    Hallo Horst,

    finde ich auch es ist ein Meilenstein sich mit einer Gitarre ausdrücken zu können. Ich hatte schon immer einige Fragmente in den Fingern, mich allerdings nicht mit der ganzen Materie beschäftigt. Habe es einmal meiner Kapelle vor geschlagen mit der deutschen Lyrik vom Stoppock … leider konnte ich sie noch nicht begeistern. Aber ich erfreue mich immer noch an einer schönen Version einer „Mädchen“-Kapelle welche noch echten Rock’n Roll in sich haben:
    https://www.youtube.com/watch?v=VikyxJoBF2k
    Bis ich meine Kollegen überzeugt habe spiele ich immer noch Fragmente zum Aufwärmen und kann es jedem Gitarrero empfehlen. Es ist nun mal ein echter Klassiker

    Antworten
    • Horst Keller
      30. März 2025 01:03

      Hallo Uli,

      danke für deine Nachricht! Da sprichst du mir aus der Seele – es ist wirklich ein Meilenstein und ein tolles Gefühl, sich mit der Gitarre ausdrücken zu können, gerade als „Feierabendklampfer“! Das mit den Fragmenten, die man über die Zeit sammelt und immer wieder gerne spielt, ohne gleich die ganze Theorie dahinter zu pauken, kenne ich nur zu gut. Mache ich selbst gerade bei diesem Stück immer wieder.

      Die Idee, den Klassiker (ich nehme an, du meinst „Oh Well“?) mit Stoppok-Texten zu versehen, klingt echt spannend! Schade, dass deine Kapelle da bisher nicht so begeistert war. Aber wer weiß, vielleicht brauchen sie einfach noch ein bisschen Zeit – oder die richtige Stimmung nach Feierabend, um sich dafür zu erwärmen! Stoppok ist ein besonderer Texter.

      Super, dass du eine Version von der „Mädels“-Kapelle gefunden hast, sie gefällt mir ausgesprochen gut und hat absolut die richtige Energie.

      Gerade um nach einem Arbeitstag die Finger locker zu bekommen, ist dieser Riff Gold wert. (wie Sweet Child of mine) Du sagst es: ein echter Klassiker, der einfach Spaß macht und den man jedem Gitarrero nur empfehlen kann.

      Weiterhin viel Freude mit der Gitarre.
      Liebe Grüße
      Horst

      Antworten

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