VIP-Guitar News · WO38 / 2026
Das Riff sitzt. Und der nächste Einsatz?
Ein kleiner Übewechsel, der viel hörbar macht. California Dreamin’ am Donnerstag, eure Rückmeldungen und neue Lernwege.
Liebe Gitarrenfreunde,
Kennst du diesen Moment? Die schwierige Stelle gelingt, du lässt innerlich schon los, und ausgerechnet der nächste Einsatz kommt zu spät.
Setz beim Üben das Ende einmal anders: Nimm den nächsten Einsatz noch dazu. Dann hörst du, ob die Verbindung im Puls bleibt. Die Aufgabe ist kaum länger, aber sie verrät dir mehr als eine Griffbewegung, die für sich allein funktioniert.
Im Tao Te Ching, Kapitel 64, findet sich ein Gedanke, den ich sinngemäß so wiedergeben würde: Bewahre am Ende dieselbe Sorgfalt wie am Anfang. Für die Gitarre heißt das ganz handfest: Höre weiter, wenn die Finger ihre schwierigste Arbeit schon getan haben.
Übe bis zum nächsten sicheren Einsatz.

Zusammen spielen heißt aufeinander hören
Am Wochenende haben wir beim Rock-Klassiker-Live-Workshop „Hey Joe“ und „Sunshine of Your Love“ erarbeitet und am Sonntag mit Bandbegleitung aufgeführt. Die Gitarrenparts waren ein Teil davon. Ebenso wichtig war, aufeinander zu achten und gemeinsam durch den Song zu kommen.
Jonas, unser Schlagzeuger, hat uns einen wertvollen Blick von der anderen Seite gegeben: Welche Rolle übernimmt das Schlagzeug? Was braucht es von den Gitarren? Wie ziehen wir musikalisch an einem Strang? Er unterrichtet selbst und konnte uns dazu viel mitgeben.
Danke an alle Teilnehmer für eure Konzentration, eure Disziplin, die gute Stimmung und euer Feedback. Es hat mich begeistert, wie hörbar sich eure Arbeit ausgezahlt hat. Jörg Noll hat mit seiner Organisation und dem gemeinsamen Abendessen am ersten Abend den Rahmen dafür geschaffen. Herzlichen Dank, Jörg!
Workshops 2027
Wenn du beim nächsten Mal mitspielen möchtest: Spätestens im Oktober gebe ich die drei Workshops für 2027 bekannt. Dazu kommt unser VIP-Guitar-Treffen im August 2027. So kannst du deine musikalischen Wochenenden rechtzeitig einplanen.
Zwei Songs zum Weiterarbeiten
Diese Lernwege sind auch für dich da, wenn du beim Workshop nicht dabei sein konntest. Such dir einen Song und eine Aufgabe aus. Du musst nicht die ganze Liste üben.
Hey Joe: Gib dem Ton ein Ziel
Für das Solo reicht zunächst eine kurze Phrase. Greif die Zielnote eines Bendings einmal normal und hör sie dir genau an. Zieh die Saite anschließend auf diese Höhe. Erst wenn der Ton stimmt, kommt das Vibrato dazu. So lässt sich gezielt hören, was noch fehlt, statt das ganze Solo immer wieder durchzuspielen.
Hey Joe: die eigenständige Sololektion
Sunshine of Your Love: Hör auf die Tonenden
Nimm vier Takte des Riffs auf und achte beim Anhören nur darauf, wann die Töne enden. Bleibt die Pause wirklich frei, oder klingt eine Saite hinein? Das verändert den Groove, obwohl du keine einzige andere Note spielst. Im Solo kannst du genauso klein anfangen: einen schwierigen Takt markieren, verlangsamen und erst dann mit dem nächsten verbinden.
Riff und Pausen, direkt ab 08:47
VIDEO DER VORWOCHE · LEGATO
Legato auf der Gitarre: Der erste Lick für eine lockere Greifhand
Beim Legato wird nur der erste Ton angeschlagen. Danach muss die Greifhand die Linie tragen. Kein neuer Plektrumanschlag rettet einen zu leisen Hammer-on. Kein Effekt versteckt einen kraftlosen Pull-off. Und hektisches Tempo macht aus einer unsauberen Bewegung nur eine schnellere unsaubere Bewegung.
Im Video arbeiten wir an vier Dingen: gleiche Lautstärke, gleiche Tonlänge, ruhiges Timing und eine entspannte Hand. Du lernst die grundlegende Siebenton-Bewegung, überträgst sie auf die komplette C-Dur-Lage und trainierst anschließend einen chromatischen Vierfinger-Stretch auf der hohen e- und H-Saite. Der kleine Finger gehört von Anfang an dazu.
DONNERSTAG LIVE · 17. SEPTEMBER 2026 · 17 UHR
California Dreamin’Was die rechte Hand erzählt
Spiel ein Begleitmuster einmal mit gleich lauten Anschlägen und danach mit bewusst gesetzten Akzenten. Die Akkorde bleiben gleich, die Wirkung kann sich deutlich verändern. An solchen Unterschieden lohnt es sich zu arbeiten, bevor das nächste Schlagmuster dazukommt.
Am Donnerstag, 17. September 2026, um 17 Uhr startet unsere neue Strumming-Serie mit „California Dreamin’“ von The Mamas & the Papas. Wir nehmen uns ausschließlich den Strumming-Part vor, nicht den gesamten Song. Es geht um den Anschlag, die Akzente und den Fluss dieser Begleitung.
Leg die Akustikgitarre bereit und spiel mit. Deine Fragen können wir im Livechat aufgreifen.
KLASSIKVIDEO DER WOCHE · ROCKGITARRE, TAG 2
Whole Lotta LoveDie Verbindung muss mitspielen
Nach „Back in Black“ führt uns die zweite Folge der Rockgitarren-Serie zu Led Zeppelin. Bei „Whole Lotta Love“ lohnt sich der Blick auf die kleinen Verbindungen im Hauptriff: von der tiefen E-Saite zum gegriffenen Zweiklang und wieder zurück. Unbeteiligte Saiten sollen dabei ruhig bleiben.
Übe die Verbindung langsam und nimm den nächsten Riffeinsatz mit. Wenn der verrutscht, wiederhole die Verbindung langsamer und zähle den Puls durch. Im Soloteil geht es unter anderem um weite Bendings. Hör dir die Zielhöhe zuerst gegriffen an, bevor du sie mit dem Ziehen der Saite suchst. Riff, Sound und Solo sind auf der Tutorialseite in direkte Kapitel gegliedert.
Frag nach deiner Übehürde
Du musst den Titel einer Lektion nicht kennen, um im VIP-Guitar-Wissen nach einer Antwort zu suchen. Stell der KI-Suche deine Frage in eigenen Worten. Zum Beispiel:
„Wo finde ich Horsts Solo-Tutorial zu Hey Joe? Welche Übeschritte helfen bei Bendings, Vibrato und Phrasierung? Bitte nenne die originalen VIP-Guitar-Lektionen.“
Die Suche hilft dir, die Unterrichtsinhalte von VIP-Guitar über deine konkrete Frage zu erschließen. Öffne anschließend die vorgeschlagene Originallektion und probier eine Sache an der Gitarre aus. Auch diese Suche kann sich irren. Maßgeblich bleibt die Originallektion. Du findest die KI-Suche nach dem Login auf der Website.
Was ihr mir geschrieben habt
Auf meinen Rückzug von Instagram, TikTok und X kamen viele persönliche Antworten. Danke dafür. Besonders beschäftigt haben mich eure eigenen Beobachtungen. Sechs davon möchte ich sinngemäß und ohne Namen weitergeben:
-
Ein Klick zieht den nächsten nach sich.
In einer Rückmeldung wird beschrieben, wie das eigentliche Interesse in den Hintergrund gerät. Ein Klick folgt dem nächsten, bis kaum noch etwas davon mit dem zu tun hat, womit die Beschäftigung eigentlich begonnen hatte.
-
Die scheinbare Mühelosigkeit macht Zweifel.
Eine Rückmeldung beschreibt aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit in einer schwierigen Phrase steckt. Auf Instagram sieht alles kinderleicht aus. Dieser Vergleich lässt zeitweise Zweifel am eigenen Spiel entstehen.
-
Viele Lehrvideos ergeben noch keinen Lernweg.
Eine weitere Rückmeldung erzählt vom Lernen mit verschiedenen Gitarristen über viele Jahre. Inzwischen ist ein Lernweg gefunden, der anspricht und nachvollziehbar ist. Das Springen von Video zu Video ist selten geworden.
-
Auch YouTube kann vom Üben ablenken.
Selbst wer die anderen Plattformen gar nicht nutzt, muss dort aufpassen: Zu viele interessante Gitarreninhalte können die Zeit auffressen, die eigentlich fürs eigene Spielen gedacht war.
-
Musik soll nach einem vollen Tag Kraft geben.
Nach einem fordernden Alltag bleibt der Wunsch nach mehr Raum für Musik. Noch mehr Reize und noch mehr zerstreute Aufmerksamkeit sind das Gegenteil dieses Ausgleichs.
-
Die Sorge um die Jüngeren darf nicht zur Resignation werden.
Eine Rückmeldung äußert Sorge darüber, was dauernde Ablenkung mit Aufmerksamkeit und Verstehen anstellt. Trotzdem steht Resignation nicht zur Debatte. Die Hoffnung bleibt, dass wir mit Musik gerade auch junge Menschen erreichen.
Der Hinweis auf YouTube ist wichtig. Auch meine Videos können bloß das nächste Video in einer langen Reihe sein. Damit ist dir wenig geholfen. Eine gute Lektion darf dazu führen, dass du den Bildschirm erst einmal in Ruhe lässt und selbst spielst.
Für meine Arbeit bleibt die Entscheidung klar: In Instagram und TikTok investiere ich keine weitere Energie. X passt ebenfalls nicht zu dem, was ich mit VIP-Guitar erreichen möchte; ich will die Plattform deshalb nicht pauschal schlechtreden. Meine Zeit soll in Unterricht, gute Lernmaterialien und echte Gespräche mit euch gehen.
Bei Kindern und Enkeln interessiert mich auch, was sie selbst an den vielen Clips fasziniert und welche Musik sie dort entdecken. Lass dir ihre Musik vorspielen, spiel ihnen deine vor und frag, was sie daran hören. Dazu gehört für mich auch, das eigene Handy wegzulegen und wirklich zuzuhören. Auch eine bewusste Pause von diesen Plattformen darf dabei ein Thema sein. Ein Gespräch muss nicht sofort alles verändern. Das ist kein Grund, es aufzugeben.
Aus unserem Shop
Drei Angebote, die zu den Themen dieser Ausgabe passen:
VIP-Guitar-Plektren
Größe und Stärke machen sich unmittelbar in der Anschlaghand bemerkbar. Bei unseren Plektren kannst du die Variante wählen, die zu deinem Strumming, deinen Riffs und deinem Spielgefühl passt.
Song-Sounds für Helix Stadium
Passend zum Workshop gibt es „Sunshine of Your Love“ als Stadium-Preset mit eigenen Snapshots für Riff, Solo und Woman Tone. Die Stadium-Editionen bieten weitere Song-Sounds im .hsp-Format.
10 Blues-Phrasen mit Sebastian Minet
Zieltöne, Bendings und Dur-/Moll-Farben an konkreten Phrasen erarbeiten: Sebastians Downloadkurs passt zu den Solothemen dieser Woche und gibt dir Material, aus dem eigene Antworten entstehen können.
Schreib mir, welchen der beiden Workshop-Songs du gerade spielst und wo du hängenbleibst. Auch wenn es nur ein Übergang oder ein einzelner Ton ist.
Viel Freude beim Spielen. Halte die Gitarre am Leben!
Euer Horst
VIP-Guitar News jede Woche
Noch nicht im Newsletter? Hier kannst du ihn abonnieren. Jede Woche direkt von Horst: Übungen, Lives, Workshops und das, was gerade zählt.


