Songtutorial · Free · Paul Kossoff

Wishing Well auf der Gitarre: Riff, Groove und Ausdruck

Das Grundmaterial ist überschaubar. Entscheidend sind die Pausen nach den Powerchords, das kontrollierte Vibrato und eine Form, die sich später um eine Quarte nach oben verschiebt. Der Song zeigt, wie wenig Noten eine Rockband wirklich braucht.

ZentrumE-Riff, später eine Quarte höher
Tempo120 BPM im Notenmaterial
Form94 Takte in GP und GPX
Material3 PDF-Seiten, GP, GPX, Backingtrack

Die vollständige Gitarrenstunde

Ein einfacher Song mit einer sehr genauen rechten Hand

Horst und Jörg spielen den Song gemeinsam, zerlegen Rhythmusgitarre und Solo und vergleichen den trockenen Kossoff-Klang mit einer moderneren Gary-Moore-Variante.

Dein Auftrag: Spiele zuerst nur den E-Powerchord. Schlage ihn kurz an und dämpfe sofort mit beiden Händen. Acht saubere Wiederholungen zählen mehr als ein schneller Durchgang.

Die Pause gehört zum Riff

Der E-Powerchord im siebten Bund wird nicht einfach stehen gelassen. Rechte Handkante und linke Greifhand beenden den Klang gemeinsam. Genau diese kurze Stille macht den Groove treibend.

Das Anfangsmotiv kann mit Leersaiten gespielt werden. Horst zeigt zusätzlich die gegriffene Variante, weil sie Vibrato und eine genauere Kontrolle über Tonlänge und Dynamik erlaubt.

Die GP- und GPX-Dateien sind musikalisch deckungsgleich: 94 Takte bei 120 BPM, eine Rhythmusspur mit 505 Noten und eine Solospur mit 168 Noten.

Riff und Begleitung

Vier Bausteine tragen fast den ganzen Song

Horst reduziert die Begleitung auf ein Motiv, einen vollen G-Klang, den kurzen E-Powerchord und die Antwort aus C und D.

Motiv greifen

Spiele die Töne 2, 0, 2, 0 zunächst als Leersaitenfassung. Danach überträgst du sie in eine gegriffene Lage und ergänzt Vibrato.

G voll anschlagen

Der Mittelfinger blockiert die A-Saite. So kann die rechte Hand kräftig durchziehen, ohne einen falschen Basston zu erzeugen.

E sofort stoppen

Greife 7, 9, 9. Nach jedem Anschlag lösen beide Hände den Klang kontrolliert, bevor der nächste Puls beginnt.

C und D antworten

Die beiden Powerchords schließen die Phrase. Der Bass behält den tiefen Bereich, die Gitarre bleibt klar und kompakt.

Im Pre-Chorus setzt Horst einen kurzen Lick aus der E-Moll-Pentatonik über C. Der Pull-Off von Bund 15 auf 12 und das Ganzton-Bending werden zuerst als kleine rhythmische Zellen geübt. Die Rhythmik entscheidet, nicht die Menge der Töne.

Das Notenmaterial zählt in beiden Gitarren zusammen 53 Bendings, elf Hammer-On- oder Pull-Off-Ursprünge und drei Slides. Die Zahlen zeigen den Schwerpunkt klar: Ausdruck entsteht vor allem durch Ziehen, Halten und sauberes Beenden.

Form und Tonartwechsel

Erst E, dann hebt sich alles eine Quarte

Strophe und Pre-Chorus verwenden dieselben Grundbausteine. Das Thema übernimmt die Funktion des Refrains. Später bleibt die Band auf A stehen und öffnet damit den zweiten Teil.

Strophe

E, C und D

Kurze E-Powerchords treiben nach vorn. C und D bilden die knappe Antwort.

Bridge

F, G und A-Moll

Die Akkorde steigen. Horst zeigt offene Dreiklänge und eine kräftigere Powerchord-Variante.

Solo

C, D, F, G und A-Moll

Die Begleitung lässt Zielnoten auf C und A hörbar werden. Die Solospur antwortet mit Pentatonik und Bending.

Nach dem Solo erscheint das Anfangsthema eine Quarte höher. Das Griffbild bleibt verwandt, wandert aber auf die nächste Saitengruppe. Übe den Wechsel als Formsignal. Das Ohr soll den neuen Abschnitt erkennen, bevor die Hände weiterlaufen.

Im Live-Finale folgt auf das Thema ein klarer Ablauf über D, C und A. Zwischen den Akkorden lässt die Band Platz für Schlagzeugbreaks. Dadurch wirkt das Ende gemeinsam und nicht wie ein zufälliges Ausblenden.

Kossoff, Gary Moore und deine Entscheidung

Weniger Technik verlangt mehr Kontrolle

Horst stellt zwei Wege gegenüber. Paul Kossoff lädt einfache Pentatonikphrasen mit Vibrato, Dynamik und Energie auf. Die modernere Variante erweitert Tonumfang, Tempo und technische Mittel.

Für Wishing Well brauchst du zuerst den ersten Weg. Ein Bending muss den Zielton erreichen, ein Vibrato braucht Richtung und die Pause nach dem Akkord muss wirklich still sein.

Die Solospur enthält 46 Bendings, aber nur 168 Noten. Das Verhältnis ist aussagekräftiger als eine Geschwindigkeitszahl: Fast jede Phrase lebt von Formung und nicht von Dichte.

Vier Hörkontrollen

  1. Endet der Powerchord auf beiden Händen gleichzeitig?
  2. Erreicht das Ganzton-Bending seinen Zielton?
  3. Bleibt das Vibrato gleichmäßig statt nervös?
  4. Wird der Tonartwechsel als Steigerung hörbar?

Direkt zu den Stellen

20 direkte Kapitel

Konkreter Übeplan

Sechs Einheiten vom Riff zur vollständigen Form

  1. Motiv: Leersaitenfassung und gegriffene Fassung vergleichen.
  2. Stopp: Acht E-Powerchords mit vollständiger Pause spielen.
  3. Antwort: C und D ohne zusätzliche Basstöne einsetzen.
  4. Lick: Pull-Off und Ganzton-Bending in zwei Zellen teilen.
  5. Form: Strophe, Pre-Chorus, Thema und Bridge ansagen.
  6. Solo: Eine Phrase aufnehmen und nur Vibrato und Zielton prüfen.

Beginne deutlich unter 120 BPM. Horst verlangsamt schwierige Stellen in der Lektion und fordert ausdrücklich dazu auf, Licks in Einzelteilen zu üben.

Der Klang ist dein Tempolimit

Spiele den E-Powerchord achtmal. Wenn ein tiefer Fremdton, ein offener Nachklang oder Spannung im Unterarm auftaucht, bleibt das Tempo unverändert.

Nimm die Pause auf. Auf der Aufnahme muss zwischen den Akkorden echte Stille zu hören sein. Erst danach verbindest du C und D.

Beim Solo singst du den Zielton vor dem Bending. Ziehe langsam dorthin, halte kurz und löse kontrolliert. Geschwindigkeit ist für diese Prüfung unwichtig.

Zum Schluss spielst du den Backingtrack durch und sagst die Formteile leise an. Wenn der Wechsel nach A überraschend kommt, übst du nicht das Solo, sondern den Übergang.

Premium-Material

Rhythmus und Solo getrennt üben

Das bestehende Unterstützerpaket bleibt unverändert. Im lokalen Originalbestand liegen dreiseitige Notation, GP, GPX und der 3:47 Minuten lange Backingtrack.

Noch kein Zugriff? Unterstützerstufen ansehen

Sound und Referenzversionen

Trocken bedeutet nicht ausdruckslos

Horst baut den Kossoff-Grundklang mit Plexi, dezentem Tube Screamer, Brücken-Pickup und einem bissigen SM57-Charakter. Delay und Hall werden stark reduziert.

Paul-Kossoff-Richtung

Wenig Gain, wenig Raum

Der Ton trägt nicht von allein. Anschlag, Vibrato und Bending müssen Sustain und Bewegung aus den Händen erzeugen.

Modernere Variante

Mehr Dichte, gleiche Artikulation

Ein zweiter Overdrive und mehr Raum machen das Solo größer. Die Zielnoten und Pausen dürfen dadurch nicht weicher werden.

Vergleiche die verlinkte Free-Version mit Gary Moores Wishing-Well-Version. Höre nur auf Tonlänge, Vibrato und Raumanteil.

Passende nächste Schritte

Vertiefe Free, Pentatonik und Vibrato

Deine Erfahrung

Was fällt dir schwerer: Stoppen oder Ziehen?

Beschreibe eine konkrete Stelle: die Pause nach dem E-Powerchord, das Ganzton-Bending oder den Wechsel eine Quarte höher. Das native Kommentarformular bleibt offen.

Dein nächster Schritt

Ein Akkord, eine Pause, ein sauberer Zielton

Spiele heute acht E-Powerchords. Stoppe jeden Klang bewusst und nimm danach genau ein Bending auf.

„Alles, was ich spiele, was ich dir vermittle, hat zwei Grundlagen. Es soll machbar sein. Und es soll dich besser machen.“Horst Keller, aus der Videolektion

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